Historie

Unikum mit Stehvermögen

Der rundblick ist zunehmend zu einem Unikum in der deutschen Presselandschaft geworden. Ende der 60-er Jahre hat es noch ein Schwesterblatt gleichen Namens gegeben. Das hat aber bald das zeitliche gesegnet – wohl auch, weil es kraft norddeutscher Herkunft Einfühlungsprobleme in bayerische Mentalität hatte. Von da an hat es neben dem niedersächsischen rundblick in der gesamten Republik kein Organ gegeben, das sich im Format, in der Erscheinungsweise und im Inhalt mit dem hannoverschen Produkt vergleichen ließ.

„Blättchen“ mit Einfluss

Das Unikum hat es nicht selten schwer gehabt mit Politikern, die aus anderen Bundesländern nach Niedersachsen stießen. So etwas wie den rundblick hatten sie noch nie erlebt. Und sie waren verwundert darüber, welchen Einfluss bald von dem „Blättchen“ ausgegangen ist. Ein Minister, der von auswärts zur Regierung Ernst Albrechts (1976-1990) gestoßen war, nahm wiederholt Anstoß daran, dass im rundblick bereits vor den Sitzungen des Kabinetts zu lesen war, was dort wohl geschehen würde. Die Sage weiß zu berichten, dass dieser Minister auch deshalb nicht lange im Land verweilt hat, weil ihm manche Bräuche fremd geblieben sind. Der rundblick soll an dieser Entfremdung gehörigen Anteil gehabt haben.

Wurzeln in der Wirtschaft

Ursprünglich war der rundblick ins Leben gerufen worden, um inmitten der Presselandschaft vor allem wirtschaftspolitische Themen gehörig zu Wort kommen zu lassen. Das Blatt aber hat sich von dieser Zielrichtung schon recht bald entfernt und ist im wahren Wortsinn politischer geworden. Dazu hat nicht unwesentlich die Gebiets- und Verwaltungsreform beigetragen, die Ende der 60-er Jahre von einer großen Landeskoalition aus SPD und CDU auf den Weg gebracht worden war und über viele Jahre hinweg ihre Wirkungen auf die Landespolitik ausgeübt hat.

Aufstieg in den 70-ern

Die Wechselwirkung zwischen Reform und Aufstieg des Blattes ist nachvollziehbar vor allem in den 70-er Jahren geworden, in denen Helmut Rieger von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) zum rundblick gestoßen war. Das Medium gewann zunehmend Leser auch in den Kommunen des Landes, die sich von der Gebiets- und Verwaltungsreform betroffen fühlten. Von Rieger soll der Satz stammen, der rundblick habe zum Beispiel in Ostfriesland bald mehr Abonnenten als die HAZ gehabt. Nach ihm hat u.a. ein weiterer bedeutender Politik-Redakteur der Zeitung, Hans-Peter Sattler, den rundblick geleitet.

Kurzer Draht zu den Kommunen

Die Verbindung zu den Kommen ist über die Jahre erhalten geblieben. Sie wird ergänzt durch eine breite Leserschaft in den Fraktionen des Landtags, in der Landesverwaltung und in der Landespolitik im weiteren Sinne. Aber auch in der Wirtschaft ist über die Zeit das Interesse an der Landespolitik wach geblieben. Das hat immer mehr zu einer Leserschaft geführt, die sich quer durch alle Schichten zieht.

Zuerst den rundblick lesen

In den Ministerien ist es früh schon zum Brauch geworden, mit Dienstbeginn zum rundblick als erste Lektüre zu greifen. In den Vorbesprechungen der Kabinettssitzungen spielten nicht selten die Berichte eine Rolle, die im rundblick über Gegenstände der bevorstehenden Kabinettssitzung zu lesen waren. Besonderes Interesse galt und gilt den Personalentscheidungen des Kabinetts und vor allem den Beförderungen, zu denen es in der Mitarbeiterschaft des Landes gekommen ist.

Geliebte Personalien

Die Berichterstattung über das Kabinett und über personelle Vorgänge ist neben täglichen Kommentaren und Glossen zu sämtlichen Politikbereichen feste Übung des rundblick geblieben. Die jetzige Chefredakteurin Anne-Maria Zick widmet bestimmt seit dem Jahr 2000 die Geschicke des „Blättchens“ gemeinsam mit der Redakteurin Britta Grashorn. Sie haben bereits im „Nord-Report“, einem anderen Unikum der norddeutschen Presselandschaft, zusammengearbeitet. Der Nord-Report ist mit Zicks Wechsel zum rundblick mit diesem verschmolzen.

Schneller Versand per Email

Die technische Entwicklung hat es mit sich gebracht, dass der rundblick im Laufe der Jahrzehnte in unterschiedlicher Form zu den Lesern gelangt ist. Am Anfang erschien das Blatt noch in vervielfältigter Form und wurde per Post verschickt. Eines Tages ist daraus ein zum Postzeitungsdienst zugelassenes Organ geworden. Heute leistet die moderne Technik in Gestalt des Internets wesentliche Versandbeiträge, die dafür sorgen, dass der rundblick per Email oder online ebenso pünktlich wie zuverlässig seine Leserschaft erreicht. Nach wie vor gibt es ihn auch gedruckt und einen Tag später im Briefkasten.

Freiheiten

Über die Jahrzehnte hinweg ist es Tradition des Blattes geblieben, ohne Anzeigen zu erscheinen, deren Erlöse bei den üblichen Zeitungen einen nicht unerheblichen Teil der Kosten decken. Der Verzicht auf Anzeigen gehört mit zu den Freiheiten, die den rundblick ausmachen und prägen. Das soll auch so bleiben.