Prof. Bernward Märländer (Mitte) mit den CDU-Politikern Helmut Dammann-Tamke (links) und Marco Mohrmann. | Foto: Wallbaum

Drei Landwirtschaftspolitiker der CDU-Landtagsfraktion, die selbst Landwirte sind, haben am Montag ein Thesenpapier zur „Zukunft der Landwirtschaft“ vorgestellt. Gemeinsam mit Agrarexperten, Wissenschaftlern und Agrarunternehmern hatten sie in den vergangenen drei Jahren in einer Arbeitsgruppe zusammengewirkt, die Perspektiven für die Bauern ausarbeiten sollte. Das Ergebnis ist nun ausdrücklich kein Papier der CDU-Landtagsfraktion, sondern lediglich ein Thesenpapier „auf Initiative und unter Federführung der CDU-Fraktion“. Der kleine, aber feine Unterschied deutet darauf hin, dass eine intensive Diskussion über die Thesen in der CDU-Fraktion selbst bisher noch unterblieben ist. Ein anderer Mangel ist, dass die Folgen der Ukraine-Krise für die Welternährung in den Thesen noch nicht berücksichtigt worden seien, wie CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer in einem „Grußwort“ für die Broschüre geschrieben hat.

Der frühere Leiter des Instituts für Zuckerrübenforschung an der Uni Göttingen, Prof. Bernward Märländer, erläutert die wesentlichen Thesen. Kernpunkt ist der Ruf nach einer effizienten Bewirtschaftung der Felder in Niedersachsen. Die Qualität der Böden sei hierzulande so gut, dass man dies nutzen müsse. Die Effizienzsteigerung sei „Voraussetzung für die Deckung des weltweit wachsenden Bedarfs an Nahrungsmitteln, denn eine Flächenausdehnung ist in Deutschland nicht möglich.“ Besonders der Ackerbau in Niedersachsen sei wertvoll. Märländer hebt nun einen Vergleich hervor: Jeder Prozentpunkt, um den die Flächenerträge in Deutschland gesteigert werden, kompensiere weltweit einen Flächenverbrauch von 130.000 Hektar. Man solle also lieber die guten Böden hierzulande intensiver für die Landwirtschaft nutzen, wenn man die Natur in Ländern mit weniger guten Böden schützen wolle.



Auf den Einwand, dass Effizienzsteigerung bedeute, die Böden stärker auszulaugen und mit mehr Dünger und Pflanzenschutzmitteln das Grundwasser zu belasten, entgegnet Märländer, dies sei nicht vorgesehen. Es gehe gerade darum, den technischen Fortschritt zu nutzen und eine Düngung effizient und gezielt einzusetzen. Dazu müsse auch Künstliche Intelligenz hilfreich sein. CDU-Agrarsprecher Helmut Dammann-Tamke ergänzt: „Es geht nicht um höher, schneller und weiter, sondern um besser.“ Die Umwandlung für Agrarland in Verkehr-, Sport- und Grünanlagen solle „an hohe Voraussetzungen geknüpft sein“, auch Flächen-Entsiegelung sei anzuregen. Bedeutender werde auch die Nutzung von Freiflächen für Sonnenenergie-Anlagen. Sinnvoll sei es zudem, in Biogasanlagen verstärkt Mist und Gülle einzuspeisen anstelle von Nutzpflanzen wie Mais. So könnten Anbauflächen sinnvoller genutzt werden.

Offenheit wird in dem Papier auch gegenüber „neuen Züchtungsmethoden“ gefordert. Dabei betont Märländer, dass die EU Gentechnik nicht verbiete, wohl aber hohe Hürden definiert habe, über deren Senkung man nachdenken müsse. Es herrsche bei diesem Bereich eine hohe Unsicherheit, die lähme die europäischen Konzerne – während die Konkurrenz in Südamerika munter weiter forsche und entwickele. Die CDU-Abgeordneten Frank Schmädeke (Nienburg) und Marco Mohrmann (Bremervörde) verweisen auf die Bedeutung der Planungssicherheit auch für die Landwirte – und auf die Notwendigkeit, bei Tierwohl-Vorgaben die betroffenen Bauern über die gesetzlichen Vorgaben hinaus auch für Mindereinnahmen zu entschädigen.

Der CDU-Agrarsprecher Dammann-Tamke betont die Notwendigkeit einer „Gesamtschau“ auf agrarpolitische Fragestellungen: So richtig es sei, dass überzeugte Veganer zur Hafermilch statt zur Milch greifen, so sehr müsse doch auch ein wichtiger Zusammenhang betrachtet werden: Bei der Produktion von Hafermilch entstünden zu 80 Prozent Stoffe, die der menschliche Körper nicht verwerten könne, die aber ein Kuhmagen in Milch verwandeln könne. Wer nun auf Hafermilch statt Milch setze, brauche eine Ausweitung der Anbauflächen – oder mehr Import von Getreide. Das Ergebnis sei ökologisch betrachtet also weit negativer als die herkömmliche Milchhaltung.