Jahresausblick Audrey-Lynn Struck / Foto: LUMIKK555 (Gettyimages), Montage: cwl

Diskotheken werden wieder geschlossen, die Kontakte erneut beschränkt und weiter fleißig die Impfkampagne angekurbelt: Mit diesen Maßnahmen hofft die Landesregierung die Corona-Pandemie einzudämmen. Doch reicht das? Vermutlich nicht, selbst wenn wieder die Produktionsfirma der Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf die Werbetrommel rührt. Durch freundliches Bitten oder auch mit Fakten sind die meisten Impfverweigerer längst nicht mehr von ihrer Meinung abzubringen – leider. Wer jetzt immer noch nicht geimpft ist, der tut das aus Überzeugung. Selbst wenn Deutschland an einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems vorbeischrammt und Corona irgendwie überwindet, bleibt die Frage: Wie geht man mit künftigen Massenerkrankungen um? In einer globalisierten Welt wie heute ist es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Pandemie vor der Tür steht. Und dann? Ich halte härtere Konsequenzen für angebracht: Im Falle von Long-Covid könnte man Ungeimpfte anteilsmäßig zur Kasse bitten, sobald die Krankenbehandlung bezahlt werden soll. Falls es tatsächlich zu einer so großen Überlastung des Gesundheitssystems kommen sollte, dass das Triage-System angewendet werden muss, verzichten sie auf ihren Beatmungsplatz. Das ist zugegeben eine sehr drastische Maßnahme. Doch ist eine allgemeine Impfpflicht die bessere Alternative? Oder riskiert man damit nicht eher ein Überkochen der Emotionen? Seit Monaten wird die Lage in Deutschland angespannter, der Widerstand auf Demonstrationen lauter und härter. Zu groß ist mittlerweile das Misstrauen gegenüber dem Staat, mehr noch gegenüber der Demokratie und der Wissenschaft selbst. Ich habe daher Sorge, dass eine allgemeine Impfpflicht der falsche Weg ist. Mit dem grundlegenden Misstrauensproblem wird man sich zukünftig in der Politik stärker beschäftigen müssen. Wie kann man das Vertrauen dieser Bürger (zurück)gewinnen? Welche Rolle spielen dabei Stichwörter wie Transparenz, Chancengleichheit und Bildung? 

„Eine Gruppe, deren Belange während der Pandemie viel zu kurz gekommen sind, ist neben den Kindern die der Auszubildenden und Studenten.“

Rundblick-Redakteurin Audrey-Lynn Struck

Das beim Thema Bildung und damit einhergehend der Digitalisierung generell Reformbedarf besteht, ist kein Geheimnis und wurde einmal mehr während der Coronakrise bestätigt. Eine Gruppe, deren Belange während der Pandemie viel zu kurz gekommen sind, ist neben den Kindern die der Auszubildenden und Studenten. Eine aktuelle Forsa-Umfrage unterstreicht einmal mehr die psychische Belastung während der Pandemie. Es fehlen vor allem einheitliche Konzepte. Im neuen Jahr sollte auch alles dafür getan werden, dass Universitäten und Hochschulen im Präsenz- oder zumindest Hybridmodell unterrichten und nicht auf den Online-Unterricht ausweichen. Zeitgleich muss sich das Land dafür wappnen, dass sich bei vielen das Studium coronabedingt in die Länge zieht – mit nicht absehbaren langfristigen wirtschaftlichen Folgen für Niedersachsen.

Ausblick 2022: Corona und das Gesundheitssystem

Hier kann man sich den Kommentar von Audrey-Lynn Struck anhören.

Auch deshalb täte die Politik gut daran, den Fokus mehr auf diese Bevölkerungsgruppe zu legen, die selbst zwar keine starke Lobby hat. Derzeit gibt es in Niedersachsen 208.000 Studenten, davon knapp 27.000 im ersten Semester. Für viele von ihnen ist die Pandemie mit finanziellen Einbußen verbunden, viele Nebenjobs – vor allem in Gastronomie und Veranstaltungsbranche – sind in der Krise weggefallen. Hier braucht es schnelle finanzielle Unterstützung des Landes. Eine Möglichkeit dazu könnten Zuschüsse an die Universitäten und Hochschulen selbst sein. Die Leibniz-Universität Hannover etwa hat einen Corona-Nothilfefonds für Studierende eingerichtet, aus dem bereits im ersten Durchlauf 2020 mehr als 90 Anträge bewilligt werden konnten. Es könnte steigen, wenn noch mehr Geld zusammenkommt. Die generellen wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen für ganz Deutschland sind weiterhin nur zu erahnen. Fest steht: Corona wird uns wohl leider auch das ganze Jahr 2022 weiter beschäftigen.