TagesKolumne

Faites vos jeux!

11.05.2021
Lesezeit: 1 Minute

Faites vos jeux! Wenn James Bond in der weißen Smoking-Jacke im Casino unterwegs ist und wieder einmal seine Baccara-Gewinntaktik anwendet, sieht alles ziemlich glamourös aus. Die Realität in den schmuddeligen Hinterzimmern unserer Städte ist oftmals genau das Gegenteil.
Der Geschäftsführer des Arbeitskreises gegen Spielsucht, Jürgen Trümper, hat in dreieinhalb Monaten über 1100 Betriebe besucht, um sich ein Bild über das illegale Glücksspiel hinter den Türen mit dem Schild „Zutritt verboten“ zu machen. Die Rede ist von Lokalen, in die niemand geht, um etwas zu essen, um Vereinsheime oder dubiose Wettbuden. Gerne gesehen war Trümper dort meistens nicht, keine ungefährliche Sache. Casino brutal statt Casino Royale. Wir berichten heute über seine Studie und seine Erkenntnis, dass die Kommunen die Lage nicht so richtig im Griff haben (können).

Foto: VFKA, Getty Images

Während man am Roulette-Tisch die nötige Anzahl an Jetons braucht, um mitspielen zu können, braucht man für den Hotelbesuch in Niedersachsen den richtigen Ausweis. Kein Landeskind – kein Zimmer, lautet die Maxime, so hat der landespolitische Bout de Table entschieden.
Im Landtag wurde das gestern seitens der Opposition in Frage gestellt. FDP-Chefcroupier Stéphane Birknèr meinte:

„Das ist nicht zu erklären, da Menschen aus anderen Bundesländern keine höhere Ansteckungsgefahr mit sich bringen. Offensichtlich verstößt diese Regel gegen den Gleichheitssatz des Grundgesetzes – sie sollte aufgehoben werden, bevor ein Gericht das anordnet.“

Außerdem ging’s um die deutsche Impfgerechtigkeit und die Frage, ob die dritte Welle schon vorbei ist. Vielleicht sind wir aber auch gerade nur in der Phase der pandemischen Intermittenz.

Ganz nebenbei: Verstehen Sie den Wahlkampf-Claim der Grünen? „Alles ist drin“ steht da jetzt überall auf den Bildchen im Internet, aber eigentlich sagen doch gerade Grünen-Politiker immer wieder, dass Draußen das neue Drinnen ist. Müsste es da nicht eher „Alles ist draußen“ heißen?
Außerdem legt man im Sinne der Nachhaltigkeit doch eher Wert darauf, dass möglichst weniger drin ist. Im Essen zum Beispiel weniger miese Chemie-Inhaltsstoffe, weniger Zucker, weniger Fett.
Vielleicht geht es aber im Kern doch vielmehr um das „Plein“ der Grünen, die alle Jetons auf Annalena Baerbock setzen. Die Auszahlungsquote im Roulette liegt beim Plein übrigens bei 1:35.

So, die Kugel rollt an diesem Mittwoch, und so kann die heutige Tageskolumne nur mit einem Satz enden: Rien ne va plus!

Ich wünsche Ihnen heute Glück im Spiel UND in der Liebe

Martin Brüning