Etliche neue Abgeordnete sind in den Landtag eingezogen, sie kommen in eine für sie neue Welt. Was treibt sie an, was wollen sie erreichen – wie stellen sie sich die Arbeit vor? In einer kleinen Serie stellt das Politikjournal Rundblick einige von ihnen vor. Heute hat Niklas Kleinwächter mit Carina Hermann (CDU) gesprochen. Hier anhören: SoundCloud | Spotify | Apple Podcast

Im Politiknerds-Podcast sprach Carina Hermann mit Niklas Kleinwächter vom Politikjournal Rundblick | Foto: Lada

In ihrer Heimatstadt Göttingen hat es die CDU, für die Carina Hermann kandidiert hat, nicht unbedingt leicht. Im Politikjargon spricht man gemeinhin vom „linken Pflaster“. SPD und Grüne sind hier seit vielen Jahren dominant, erstmals hat jetzt die Grünen-Kandidatin Marie Kollenrott den Wahlkreis direkt gewonnen. Aber Carina Hermann, die Juristin von der CDU, erreichte ein respektables Erststimmenergebnis von 20,7 Prozent. Das ist für Göttinger Verhältnisse super.

Nun ist Carina Hermann, 38 Jahre alt und Juristin, nach der Wahl sofort in ein wichtiges Amt gekommen. Sie arbeitet als „Parlamentarische Geschäftsführerin“ an der Seite des neuen CDU-Fraktionsvorsitzenden und Oppositionsführers Sebastian Lechner. Der Vorsitzende ist 41, sie ist drei Jahre jünger – das ist ein junges Team an der Spitze der CDU, die am 9. Oktober landesweit eine herbe Wahlniederlage erlitten hatte und jetzt mit der Neuaufstellung beschäftigt ist. Was ist nun eine „Parlamentarische Geschäftsführerin“? Sie sagt, kürzlich habe man sie mit „Mutter der Fraktion“ angesprochen – und das hat ihr offenbar durchaus gefallen.



In der Tat muss sich die Parlamentarische Geschäftsführerin um all das kümmern, was rund um die Landtagssitzungen organisiert werden muss. Sie muss die 47 Abgeordneten der eigenen Fraktion einteilen und motivieren, neue politische Initiativen anschieben, für Teamgeist sorgen und den wissenschaftlichen Dienst einbinden, jene Gruppe von Zuarbeitern, die inhaltliche Initiativen für die CDU entwickeln und vorantreiben sollen. Als „Mutter der Fraktion“ ist sie diejenige, die koordinieren und steuern muss, die alles im Blick haben muss und aufpassen muss, dass alle Kräfte möglichst gut zur Geltung kommen.

Erste Bewährungsprobe dann im Landtag: Als neue Parlamentarische Geschäftsführerin wiegelt Hermann einen Geschäftsordnungsantrag der AfD-Fraktion gekonnt ab. | Foto: Link

Bevor Carina Hermann in den Landtag kam, hat sie schon in den Politikbetrieb reinriechen können. Sie war persönliche Referentin von Justizministerin Barbara Havliza, wechselte dann in die CDU-Fraktion und wurde Büroleiterin des Fraktionsvorsitzenden Dirk Toepffer. Ministerin Havliza, so sagt sie, sei mit ihrer gradlinigen und selbstbewussten Art schon so etwas wie ein politisches Vorbild für sie geworden. Persönliche Integrität sei für sie besonders wichtig, das habe Havliza vorgelebt. Die charakterliche Eignung und die hohe fachliche Qualifikation seien zwei Eigenschaften, die einen guten Politiker ausmachen könnten.

Was für sie als neue Abgeordnete auch noch wichtig ist, ist das direkte Gespräch mit den Wählern. Sie erinnert sich an eine Szene im Wahlkampf, als sie bei ihren Haustürbesuchen auf eine ältere Frau traf, die sich über die mangelhafte Straßenreinigung in ihrem Wohngebiet beklagte. „Das gehörte jetzt zwar nicht zu den Dingen, die im Landtag zu lösen sind. Aber als Kommunalpolitikerin war ich froh, dass ich die zuständigen Stellen informieren und den Missstand damit abstellen konnte“, sagt die CDU-Politikerin. Solche Dinge, mal ganz praktisch und unmittelbar die Sorgen der Menschen klären zu können, finde sie besonders wichtig. Und wenn es um Göttingen gehe, sei ein gemeinsames Agieren mit der direkt gewählten Marie Kollenrott von den Grünen durchaus vorstellbar. Bei allen grundsätzlichen politischen Unterschieden gehe es dann doch darum, für den Wahlkreis möglichst viel Gutes zu erreichen.



Die Stimmung in ihrer CDU war seit dem Wahltag am 9. Oktober nicht überragend, räumt Carina Hermann ein. Sie hätte gehofft, ihre Partei könne wenigstens stärkste Kraft im Lande werden. Die Stimmung an den Informationsständen sei auch gut gewesen, und nach wie vor ist sie überzeugt davon, dass Bernd Althusmann der bessere Ministerpräsident gewesen wäre. „Aber das lag womöglich daran, dass die gute Arbeit unserer Minister in der Großen Koalition auf das Konto des Ministerpräsidenten eingezahlt hat.“ Die CDU habe es eben nicht geschafft, den eigenen Anteil an der guten Arbeit der Landesregierung herauszustellen.