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Die CDU versucht es auf Norderney mit einem Dreiklang: Pflege einer angenehmen Atmosphäre und des Wir-Gefühls, Schärfung des politischen Profils und Glättung des Übergangs der Generationen in den eigenen Reihen. Was Punkt eins angeht: Die CDU nutzt die gegenwärtig komfortable politische Lage, um die intern gute Stimmung noch etwas zu heben. Da kommen die unerwartet klaren Landtagswahlsiege im Saarland, in Schleswig-Holstein und vor allem in Nordrhein-Westfalen gerade recht. Man feixt und scherzt, und einige ältere und erfahrene Kollegen warnen, jetzt bloß nicht mit Hohn und Spott auf den derzeit so glücklosen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz einzudreschen – denn Hochmut, mahnt etwa Landtagspräsident Bernd Busemann, könne sich eben rasch auch rächen. Auch die gegenwärtigen Probleme der rot-grünen Landesregierung bei der ordnungsgemäßen Bearbeitung von staatlichen Auftragsvergaben tragen zur guten Laune bei der CDU bei. Die Partei meint, die politischen Gegner derzeit ein wenig vor sich hertreiben zu können, also bereits in der Offensive zu sein. Für den einstigen Innenminister Uwe Schünemann, den seine Gegner schon so oft im politischen Abseits verortet hatten und der jetzt in diesem Fall als CDU-Aufklärer wieder sehr gefragt ist, bedeutet das sichtbar eine Wiedergutmachung. Er ist nun wieder da, wieder in der Mitte der Fraktion.
Zweitens geht es auf Norderney auch um die Inhalte. Die CDU-Strategen haben aufmerksam registriert, welche drei Politikfelder bei den jüngsten Landtagswahlen die Leute vor allem bewegt haben – die innere Sicherheit, bei der die CDU kompromisslos für eine starke Polizei streitet, die Infrastruktur, die von guten Nahverkehrsnetzen bis zu leistungsfähigen neuen Straßen und Autobahnen reicht, und vor allem die Schulpolitik. Dass die Förderschulen aufgelöst werden und die Inklusion viele Lehrer, Schüler und Eltern unvorbereitet trifft, dass der Lehrermangel an vielen Schulen zu massivem Ärger führt und dass die Investitionen in neue Unterrichtsformen und die Digitalisierung spürbar nicht richtig vorankommen, war in NRW vermutlich ein Hauptgrund für die Abwahl von Rot-Grün. Althusmann sieht das auch so. Er präsentiert der Landtagsfraktion sein „Bildungspapier“ mit vielen Details. „Man merkt, dass er mal Kultusminister war“, lobt der langjährige Landtagsabgeordnete Heinz Rolfes und meint das anerkennend.
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Uwe Schünemann (links), Bernd Busemann und weitere Teilnehmer auf dem Weg zum Abendessen auf Norderney - Foto: KW[/caption]
Althusmann sagt, gegenwärtig befinde sich die Unterrichtsversorgung „in einem Notstand“. Für die bis 2020 fehlenden 3000 Lehrerstellen werde es vermutlich nicht genügend Absolventen geben, dies sei aber auch nicht nötig. „Wir haben genügend Stellen im System, um eine 100-prozentige Unterrichtsversorgung gewährleisten zu können.“ Die Zuweisung von Lehrerstellen etwa für Ganztagsunterricht, Sprachförderung und Inklusion müsse man überprüfen und gegebenenfalls kürzen, damit andere Bereiche verstärkt werden können. Der CDU-Chef will ein mindestens einjähriges Moratorium für die Inklusion, es sollten erst einmal keine weiteren Förderschulen mehr geschlossen werden. Die Stundenzahl im elften Schuljahr des Gymnasiums solle auf 32 angehoben werden, bei der Gründung neuer Gesamtschulen solle eine Kommune die Existenz von Gymnasien, Haupt- und Realschulen nachweisen müssen, die Schullaufbahnempfehlung nach Klasse fünf solle wieder eingeführt werden, ebenso die Benotung in der Grundschule ab Klasse 3. Außerdem will Althusmann die Steuerverbundquote wieder ändern: Die Kommunen sollen 16,05 Prozent von ausgewählten Steuereinnahmen des Landes erhalten, nicht wie bisher 15,5 Prozent. Damit hätten die Kommunen mehr Möglichkeiten, für die Bildung zu investieren.
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Für einen Blick aufs Meer blieb nur wenig Zeit: Norderney - Foto: KW[/caption]
Die vielen Übergänge, die nun bevorstehen, sind für die CDU Chance und Problem zugleich. Wo langjährige Abgeordnete nicht mehr kandidieren, etwa Ingrid Klopp in Gifhorn oder Lothar Koch in Duderstadt, fehlen dann auch Leute, die schon wegen ihrer hohen Bekanntheit und Beliebtheit gute Resultate garantiert haben. Umgekehrt unterstellt man den Neulingen, dass sie sich besonders im Wahlkampf engagieren werden, da sie sich ja erst den Wählern vorstellen müssen. Und dann ist da noch der Übergang vom Bundestags- zum Landtagswahlkampf: Wenn der eine gelaufen ist, muss man sich zum nächsten aufraffen – und das in einer Zeit, in der der Herbst naht und Weihnachten nicht weit weg ist. Viel Motivation ist dann nötig. Augenblicklich hat die CDU viel davon, aber wie wird es wohl im Oktober sein? „Wenn es nach mir geht, könnten wir jetzt sofort Landtagswahlen haben“, sagt ein CDU-Abgeordneter zu vorgerückter Stunde. Vor drei Monaten, als die bundesweiten Umfragen noch ganz anders aussahen, hatte das auch Ministerpräsident Stephan Weil gesagt. (kw)


