(rb) Pünktlich zur Umstellung von der Sommerzeit auf die sogenannte „Normalzeit“ erscheinen die Bedenkenträger, die sich offenbar für den vorübergehenden Zeitraum der Umgewöhnung in einem schier unerträglichen Jetlag befinden, auf der Bildfläche und fordern die Abschaffung der Zeitumstellung. Am nächsten Wochenende ist es wieder so weit, und die ersten haben sich bereits zu Wort gemeldet. Wir sind wahrlich nicht das einzige Land, das die unterschiedlich langen Tage zwischen Sommer und Winter auf diese Weise löst. Seit 1996 – vor allem auch dem europäischen Eisenbahnnetz zuliebe – gibt es gar eine europaweit einheitliche Regelung der Sommerzeit. Bis dahin gab es sogar Länder, vor allem im Mittelmeerraum, die einen Unterschied von zwei Stunden für angemessen hielten. Selbst die beiden deutschen Staaten trennte vor ihrer Vereinigung lange Zeit eine weitere Stunde im Sommer, weil die sowjetische Besetzungsmacht es so wollte.
Als Normalbürger fragt man sich, warum diese alljährliche Debatte immer wieder geführt werden muss. Im letzten Jahr hat es gar der Bundes-CDU gefallen, auf ihrem Parteitag die Abschaffung der Sommerzeit zu beschließen. Die Zeitumstellung tut doch nicht weh, und der vermeintlich geschundenen Tierwelt, die gern mal als Argument herangezogen wird, ist es in der Regel völlig egal, wie spät es ist.
Was ist denn eigentlich normal? Dass die dunklen Tage in den Wintermonaten mittels der Zeitumstellung für den „normalen“ Arbeitnehmer noch länger dunkel sind, ist doch wirklich kein erstrebenswertes Ziel. Wer nach Feierabend gern noch einen Spaziergang machen möchte, muss das ab nächste Woche schon im Dunkeln tun. Morgens vor der Arbeit ist der zeitigere Sonnenaufgang eigentlich nur für Früh-Jogger von Vorteil, die ja nicht unbedingt die Mehrheit der Bevölkerung bilden. Kinder müssen wieder früher nach Hause, damit sie nicht im Dunkeln auf der Straße herumkajolen, und für Autofahrer kommt zu den unguten Straßenverhältnissen in dieser Jahreszeit auch noch die vorzeitige Dunkelheit dazu. Gar nicht zu reden von der Winterdepression, die zweifelsfrei dem Lichtmangel zugeordnet wird. Man könnte den Zeitpunkt dafür zumindest verzögern. Dunkel wird es im Laufe des Winters ohnehin früh genug. Zur Wintersonnenwende wird es dann auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit genauso dunkel sein wie am frühen Abend von der Arbeit nach Hause.
Es gibt aber in der Tat eine Lösung für alle: Schafft einfach die Normalzeit ab! Macht die Sommerzeit zur Normalzeit, zumindest hierzulande! Damit ist allen geholfen, die mehr vom Tage haben wollen, etwa für die arbeitsintensive Tätigkeiten im ausgehenden Gartenjahr oder wofür auch immer. Letztlich werden sich auch die Kühe, deren Melkzeiten für die Gegner der Sommerzeit ein willkommenes Thema sind, freuen, wenn alles bleibt, wie es im Sommer war. Und die Mäkelei im Stall und anderswo hat endlich ein Ende. azDieser Artikel erschien in Ausgabe #195.