
Boris Pistorius, Innenminister, hat sich in jüngster Zeit wiederholt drastisch mit Forderungen an die Banken gewandt, sie sollen ihre Bankautomaten umrüsten. Derzeit häufen sich in Deutschland die Sprengungen solcher Automaten, und mit einer technischen Innovation ließe sich erreichen, dass das Geld bei der Explosion verklebt und der kriminelle Akt damit erfolglos wäre. Nun hat sich ein Polizist anonym in einem bemerkenswerten Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ zu den Einsätzen gegen die Geldautomaten-Banden geäußert. Der Beamte erklärte, seinen Namen nicht zu nennen, da er dienstliche Nachteile befürchte.
Danach wies er auf mehrere Schwachpunkte hin: Die Einsätze gegen diesen Täterkreis würden nicht geübt, die Polizei habe „kein Konzept gegen dieses Phänomen“, die Kollegen würden „mit ihren Entscheidungen und Unsicherheiten allein gelassen“, sie würden sogar „von oben noch eingeschüchtert“. Die Verfolgung der Täter, die mit hochmotorisierten Wagen zur Grenze Richtung Holland rasen, ende wegen der Motorschwäche der Polizeiwagen schon nach wenigen Kilometern. Schon der Übertritt der Landesgrenze nach NRW bereite Probleme, da die dortige Polizei auf anderen Frequenzen funke. Oft meldeten sich die niederländischen Behörden und teilte die Kennzeichen verdächtiger Autos mit. Aber in Niedersachsen würden die Kennzeichenlesegeräte, trotz der rechtlichen Erlaubnis, nicht eingesetzt. Der anonyme Beamte räumte freimütig ein, dass seine Kollegen sich bei der Anfahrt zu einem Tatort Zeit lassen – damit sie die Täter möglichst nicht mehr antreffen und die Verfolgungsjagd nicht aufnehmen müssten.


