Arbeitsagentur 2016: Auf Flüchtlingseingliederung vorbereitet
(rb) Hannover. Die positive Entwicklung des Arbeitsmarktes im Jahr 2015 gibt nach Ansicht des Chefs der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Klaus Stietenroth, Rückenwind für die großen Herausforderungen dieses Jahres. Beflügelt von einer robusten Konjunktur habe es 2015 weniger Arbeitslose, mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und einen durchgehend hohen Bedarf der Unternehmen an Mitarbeitern gegeben. Im Jahresdurchschnitt sei die Zahl der Arbeitslosen auf rund 256 400 gesunken, 11 200 bzw. 4,2 Prozent weniger als 2014. Auch die Unterbeschäftigung, also der Menschen, die an arbeitsmarktentlastenden Maßnahmen teilnehmen, sei um rund 16 000 oder 4,9 Prozent zurückgegangen. Die Arbeitslosenquote habe bei 6,1 Prozent gelegen, die niedrigste seit der Wiedervereinigung, sagte Stietenroth. Zuletzt seien 2,84 Millionen Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen, 2,8 Prozent mehr als 2014. Als „Dauerbaustelle“ bezeichnete er die Langzeitarbeitslosigkeit. Zwar habe ihre Zahl 2015 um 2,4 Prozent bzw. 2400 Menschen abgenommen; sie liege aber nun mit 97 000 immer noch viel zu hoch. Man sei nicht vorangekommen bei der Integration dieser Menschen in Arbeit, die oft ohne jede Qualifikation seien. Was die zweite Herausforderung dieses Jahres, die Flüchtlinge, betreffe, müsse er Wasser in den Wein schütten, sagte Stietenroth: 80 Prozent von ihnen verfügten nicht über eine formale Qualifikation, die der deutschen vergleichbar sei. Mehr als die Hälfte seien unter 25, 70 Prozent unter 30 Jahre alt. Bedenklich sei, dass sehr viele nicht den Wunsch hätten, eine Ausbildung zu beginnen; sie hätten Schulden bei Schleusern oder müssten ihre Familien finanziell unterstützen. Dennoch seien Arbeitsagentur und Jobcenter gut vorbereitet. In Niedersachsen würden dafür 335 Fachkräfte speziell eingestellt und qualifiziert. Allein für die Eingliederung der Flüchtlinge würden 34 Millionen Euro bereitgestellt. Stietenroth schloss aus, dass man sich bei der Arbeitsverwaltung wegen der Probleme mit den Flüchtlingen weniger um Langzeitarbeitslose und Hartz IV-Empfänger kümmert. Gleichwohl werde die Arbeitslosenzahl 2016 moderat um etwa 13 000 ansteigen und wohl wieder das Niveau des Jahres 2014 erreichen, prognostizierte er.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #11.