28. Aug. 2022
Wirtschaft

Architektenkammer: Vorgaben für Umbauten von Häusern müssen erleichtert werden

Sprechen beim Rundblick über die Vorschläge der Architektenkammer: Robert Marlow
(links) und
Mathias Meyer. | Foto: Wallbaum

Die Architektenkammer in Niedersachsen hat klare Erwartungen an die bevorstehende Landtagswahl: Die Möglichkeiten für Investoren und Hausbesitzer, ihre in die Jahre gekommenen Immobilien umzubauen und neuen Wohnraum zu schaffen, müssten dringend erleichtert werden. Dies könne über eine Novelle der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO) geschehen, oder auch über eine eigene neue Umbau-Ordnung. „Wenn man heute ein altes Haus aufstocken, ein Dachgeschoss ausbauen oder Gewerbeimmobilien für Wohnzwecke umnutzen will, muss man eine ganze Reihe von Auflagen erfüllen. Das erschwert die Investitionen“, erklärt der Präsident der Architektenkammer, Robert Marlow, im Gespräch mit dem Politikjournal Rundblick. Das fange an mit der Verpflichtung, barrierefreie Zugänge zu ermöglichen oder Aufzüge bauen zu müssen. Auch Brandschutz-Auflagen und die Nachweispflicht für Auto-Stellplätze könne dann die Investition erschweren. „Wir brauchen hier Ausnahmen“, betonen Marlow und der Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer, Mathias Meyer.

Ein anderes Problem sind die Abstandsregeln zu Nachbargebäuden. Diese bemessen sich auch an der Höhe des Hauses. Wenn nun ein Altbau aufgestockt werden soll, verändern sich nach den bisherigen Vorschriften auch die Vorgaben für die Distanz zu nahegelegenen Gebäuden. Da aber die Häuser in einem Altbaugebiet nicht beliebig auseinandergerückt werden können, drohen viele Bauvorhaben an diesem Regelwerk zu scheitern. Die Architektenkammer regt hier an, die Abstandsregeln aufzuheben oder zumindest zu lockern. Niedersachsen könne hier auch eine Vorreiterrolle übernehmen, außerdem sei es gut möglich, Experimentierräume zuzulassen und auf diesem Wege den Wettbewerb der guten Ideen für die Sanierung von alten Wohngebieten zu fördern.

Die Wunschliste der Architektenkammer an die nächste Landesregierung enthält noch weitere Punkte:

Erbpacht statt Verkauf: Wenn das Land und die Kommunen ihre eigenen Bau-Grundstücke und Wohnungen nicht verkaufen, sondern per Erbpacht an einen Investor oder Interessenten übertragen, sei das ein wirkungsvolles Mittel gegen die Spekulation mit Immobilien. „Die Stadt Wien geht seit langem diesen Weg, und auch in Niedersachsen könnte das eine gute Möglichkeit sein. Da der Zins für die Erbpacht geringer ist als der Kaufpreis, kann auf diesem Weg auch bezahlbarer Wohnraum entstehen“, erläutert Marlow. In Niedersachsen pflege bisher eigentlich nur die Klosterkammer im großen Stil diese Methode, sie biete sich aber auch für Land und Kommunen an.

Klimaschonendes Bauen: Beim Erreichen der Klimaschutzziele solle nicht der Energieverbrauch im Fokus stehen, sondern der CO2-Verbrauch. Nachwachsende Baustoffe wie Holz, Stroh und Flachs sollten häufiger verwendet werden.

Mehr Wettbewerb um Aufträge: Nach EU-Recht gilt bisher die Schwelle von 220.000 Euro an Architektenhonorar, oberhalb der ein Auftrag europaweit ausgeschrieben werden muss. Die Architektenkammer wirbt dafür, auch unterhalb dieser Schwelle Wettbewerbe zuzulassen, damit mehr Transparenz und eine angemessene Preisbildung bei kleineren Vorhaben möglich werden. In der Landesvergabeordnung sind Regeln bisher nur für Bauleistungen vorgesehen, nicht für freiberufliche Leistungen wie die Planungs- und Architektenleistungen.

Kritik an PPP-Vorhaben: Der in vielen Kommunen zu beobachtende Trend, Bauvorhaben über einen Vertrag zwischen Staat und privaten Investoren als sogenannte Public-Private-Partnership-Vorhaben (PPP) zu vereinbaren, stößt bei der Architektenkammer auf Vorbehalte. Häufig sei es so, dass die Auftraggeber dann die Planungs- und Architektenleistung an anonyme Großkonzerne abtreten und hiesige Architekten außen vor bleiben. Außerdem werde PPP langfristig immer teurer als ein rein staatlich finanziertes Projekt.

Mehr Stadtplaner nötig: In vielen Architekturbüros herrsche ein Fachkräftemangel, da laut Marlow und Meyer die öffentliche Hand gute Leute zu sehr guten Gehältern abwerbe. Die Ausbildung für neue Stadtplaner und Architekten müsse ausgeweitet. Die Möglichkeit zu Referendariaten in Bauverwaltungen solle ausgeweitet werden, damit es genügend Nachwuchskräfte gibt.

Dieser Artikel erschien am 29.8.2022 in Ausgabe #148.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum