Tagte im Innenministerium: Der Landeswahlausschuss- Foto: KW[/caption]
Damit steht nun fest: Zur Bundestagswahl am 24. September tritt die AfD in Niedersachsen an. Das gilt zudem noch für 17 andere Parteien – zunächst die etablierten CDU und SPD, Grüne, FDP und Linke, dann die Piraten, die NPD, die Tierschutzpartei, die Freien Wähler und die MLPD, die im linksextremen Lager mit der DKP um Stimmen buhlt. Es folgen „Demokratie in Bewegung“, die „Deutsche Mitte“, die Ökologische Demokratische Partei, die Satiregruppe „Partei“ und die Vegetarier-Partei „V-Partei“. Drei Gruppierungen fallen durch, weil sie als Neulinge je 2000 Unterstützerunterschriften hätten liefern müssen, dies aber nicht taten: die Hip-Hop-Partei „Die Urbane“, das christlich orientierte „Bündnis C“ und die „Menschliche Welt“, die „für das Wohl und Glücklichsein aller“ eintritt. Schlechte Zeiten also für die „Menschliche Welt“, ein guter Tag hingegen für die AfD. Zwei andere Gruppierungen, die Liberal-Konservativen Reformer (LKR) des früheren AfD-Chefs Bernd Lucke und eine Organisation namens „Partei der Vernunft“ verzichteten auf die Wahlteilnahme, obwohl sie das ursprünglich angezeigt hatten.
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Als nach Sachs‘ Vortrag der Landeswahlausschuss einstimmig die AfD-Zulassung zur Landtagswahl billigte, zeigte sich AfD-Landeschef Armin Paul Hampel zufrieden. Dies sei „das, was wir erwartet haben“, sagte er, „nun können wir endlich mit dem Wahlkampf loslegen“. Eine Möglichkeit der AfD-Rebellen, gegen die Entscheidung des Landeswahlausschusses vorzugehen, gibt es nicht – lediglich eine nicht zugelassene Partei hätte durch ihre eigenen Vertrauensleute binnen drei Tagen Beschwerde beim Bundeswahlausschuss vorlegen können. Da die AfD aber zugelassen wurde, ist dieser Weg versperrt. Der einzige Weg wäre nun, nach der Bundestagswahl diese wegen der behaupteten Mängel anzufechten. Nicht zur Sprache kam in der Landeswahlausschusssitzung der Wirbel, den im Vorfeld der Entscheidung zwei offensichtlich gefälschte, von AfD-Generalsekretär Jens Kestner verbreitete Schreiben mit dem Aufdruck der Landeswahlleiterin ausgelöst hatten. Erst nach diesem Fauxpas hatte die AfD, sehr spät, ihre Landesliste bei Sachs eingereicht – wie sich jetzt herausstellt gerade noch rechtzeitig, um auf mehrere formelle Einwände und Rügen zu reagieren und die Landeswahlleiterin milde zu stimmen. Die AfD steht nach dieser Entscheidung nun vor neuen Weichenstellungen. Am 5. August soll in Walsrode die Landesliste für die Landtagswahl aufgestellt werden, und mit Spannung wird erwartet, ob das Hampel-Lager hier wieder – wie bei der Bundestagsliste – seine Leute durchdrückt oder schon im Vorfeld einen Kompromiss mit den internen Kritikern versucht. Der zweite Weg wäre für Hampel ein unerwarteter Schritt und wird deshalb für unwahrscheinlich gehalten.
In der Sitzung des Landeswahlausschusses gab es noch eine kurze Irritation bei einer Partei, die eigentlich für eine straffe und fehlerfreie Organisation bekannt ist – die FDP. Für die Kandidatin Nicole Bracht-Bendt auf Platz 29 der Liste, dem allerletzten Platz, fehlten einige nötige Unterlagen. Also wurde die Kandidatin, einstimmig beschlossen vom Landeswahlausschuss, von der Liste gestrichen. Der FDP-Vertrauensmann, Roland Zielke, zeigte sich verdutzt und erklärte in der Sitzung, zu diesem Vorgang auch nichts sagen zu können. Der kleine Fehler bei der FDP war nun die größte Überraschung des Tages, bei dem vorher so viel Aufmerksamkeit auf der AfD gelegen hatte. Eine Zwischenruferin in der Sitzung des Wahlausschusses, an der viele Vertreter von kleinen Parteien als Zuhörer teilgenommen hatten, brachte ihren Kommentar zum langen Hin und Her um die AfD auf den Punkt: „Viel Lärm um nichts!“ (KW)

