Union und SPD im Bundestag wollen den Weg für die Planung einer neuen Bahnstrecke zwischen Hannover und Hamburg freimachen. Die Verkehrspolitiker der Koalition haben sich nach Medienberichten auf einen gemeinsamen Antrag verständigt, der offenbar einer Empfehlung des Bundesverkehrsministeriums folgt. Der Verkehrsausschuss befasst sich am 23. September mit der Vorlage, einen Tag später soll der Bundestag entscheiden. Die neue Trasse soll zusätzlich zur bestehenden Verbindung entstehen und von Seevetal-Meckelfeld (Landkreis Harburg) südlich von Hamburg über Bispingen und Bergen, westlich an Celle vorbei bis nach Großburgwedel (Region Hannover) verlaufen. Zugleich sieht die Vorlage kurzfristige Verbesserungen an der Bestandsstrecke sowie zusätzlichen Lärmschutz vor. Die niedersächsische Landesregierung lehnt die Pläne ab. „Was auf dem Tisch liegt, hat nicht die Zustimmung des Landes Niedersachsen. Unsere Einwände wurden überhört und ignoriert“, sagte Sebastian Schumacher, Sprecher von Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD), am Mittwoch in der Landespressekonferenz. Die Neubaustrecke könnte nach den bisherigen Planungen frühestens 2050 fertig werden. Der Bund müsse den Menschen nun vermitteln, „dass dreißig Jahre nichts passieren wird“. Niedersachsen bevorzugt weiterhin den Ausbau der vorhandenen Strecken nach dem sogenannten Alpha-E-Konzept. Schumacher bezweifelt zudem, dass die Deutsche Bahn das Großprojekt bewältigen kann: „Was Brot und Butter ist, klappt schon nicht, und jetzt versucht die Bahn, Haute Cuisine zu machen.“ Auch die SPD-Landtagsfraktion stellt sich gegen die Pläne. „Wir brauchen kein norddeutsches Stuttgart 21, sondern eine Sanierung mit Realismus, Augenmaß und Blick auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort“, sagte SPD-Verkehrsexperte Christoph Bratmann. Die niedersächsischen Grünen begrüßen die Einigung dagegen als „richtig und überfällig“. „Es ist und war nie sinnvoll, Neubau und Bestandsstrecke gegeneinander auszuspielen“, sagte der verkehrspolitische Sprecher, Stephan Christ. Auch die IHK Hannover begrüßt die Verständigung. Die Neubaustrecke könne zusätzliche Kapazitäten schaffen und dem Nahverkehr neue Möglichkeiten eröffnen, sagte Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt. „Wichtig bleibt aber, dass kurzfristig auch schnell wirkende Verbesserungen auf der Bestandsstrecke umgesetzt werden.“ Nach jahrelangen Diskussionen würden die Unternehmen nun „eine Entscheidung und dann Tempo bei Planung und Umsetzung“ erwarten.


