Nikolai Setzer, Vorstandsvorsitzender der Continental AG, will bereits in wenigen Jahren den Traum vom fahrerlosen Lastwagen verwirklichen. In einer „exklusiven Partnerschaft“ mit der US-Technologiefirma Aurora plant der niedersächsische Automobilzulieferer ein autonom fahrendes System für die Nutzfahrzeugindustrie zu realisieren. „Und das schon bis 2027“, betonte Setzer gestern bei der Hauptversammlung vor Aktionären in Hannover. Das System soll zunächst für Spediteure und kommerzielle Flottenbetreiber in den USA erhältlich sein.

„Lastwagen transportieren so Güter in einem Drittel der Zeit. Mit weniger Kraftstoff. Und damit auch mit weniger CO2-Ausstoß“, erläuterte der Conti-CEO. Die Einführung soll auch mit einem neuen Geschäftsmodell verbunden werden. „Wir werden nicht mehr nur für einzelne Komponenten bezahlt wie im klassischen Zulieferergeschäft, sondern für jeden gefahrenen Lastwagen-Kilometer. Das heißt: Je mehr Lastwagen autonom unterwegs sind, desto höher sind unsere Umsätze“, sagte Setzer.
Außerdem arbeitet Continental mit dem ebenfalls aus den USA stammenden Halbleiterhersteller Ambarella Inc. zusammen und peilt bis 2026 die weltweite Serienproduktion von Komplettsystemen für das assistierte und automatisierte Fahren sämtlicher Fahrzeugtypen an. Vor der Hauptversammlung hatte der Aufsichtsrat bereits eine Vertragsverlängerung mit Setzer bekanntgegeben. Der 52-Jährige wird den Konzern fünf weitere Jahre bis mindestens zum 31. März 2029 leiten. Die Automotive-Sparte, die neben Reifen und Conti-Tech zu den drei Säulen des Unternehmens gehört, muss Setzer allerdings abgeben, damit er sich auf seine Aufgaben als CEO konzentrieren kann.

Der Aufsichtsrat hat Philipp von Hirschheydt (48) zum 1. Mai als neues Vorstandsmitglied für den umsatzstärksten Unternehmensbereich berufen. Vor seinem Wechsel zu Continental im Jahr 2007 war von Hirschheydt bei der Investmentbanktochter der WestLB als Finanzexperte tätig. Der Automobilzulieferer reagiert außerdem auf die Vorwürfe manipulierter Qualitätstests bei Conti-Tech und auf den konzernweiten Cyberangriff, bei dem im Sommer 2022 rund 40 Terabyte Daten gestohlen wurden. Die Rechtstreue und die IT-Sicherheit werden künftig im Vorstandsressort „Recht und Compliance“ organisiert, das von Olaf Schick geleitet wird. Der Jurist ist derzeit noch Finanzchef der Mercedes-Benz-Gruppe in China, wird aber ab 1. Mai seine Arbeit als Continental-Vorstand antreten. Auch diese Ressorts lagen bisher in der Verantwortung von CEO Setzer.
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