…hat in einer bisher nicht überall anzutreffenden Konsequenz auf die neue Zuspitzung der Corona-Krise reagiert. Er ist Professor für öffentliches Recht in Göttingen, hat dort jede Menge zu tun. Was ihn offensichtlich ärgerte, ist die Aufrechterhaltung des Präsenzbetriebs an der Uni trotz der stark steigenden Inzidenzen. Auch 3G-Regeln gelten in Göttingen. Daraus zog er seine Schlussfolgerungen. Der Niedersachse der Woche heißt…

Foto: Uni Göttingen; Krone: GettyImages/ptasha

…Prof. Hans Michael Heinig, ist 50 Jahre alt und Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht an der Georg-August-Universität in Göttingen. Er leitet zudem das Kirchenrechtliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Vor wenigen Tagen erst reagierte Prof. Heinig im Twitter-Kanal auf eine Diskussion unter Menschen, die im Hochschulbetrieb arbeiten – und die sich mit den geplanten Auflagen auseinandersetzen. Dabei kündigte er an:

„Ich werde mich nächste Woche im Hörsaal in Präsenz verabschieden und ins Digitale wechseln. Viele Kollegen ebenso. Die Universität ist ein Spiegel der Gesellschaft: Es hilft nur das Prinzip Eigenverantwortung.“

Damit drückt Prof. Heinig zweierlei aus: Erstens wundert er sich, dass die Uni Göttingen auch noch Ungeimpfte in den Hochschulbetrieb lässt, obwohl diese doch im Verdacht stehen, das Virus sehr stark zu verbreiten. Zweitens zieht er selbst daraus Konsequenzen, indem er in den digitalen Hochschulbetrieb wechselt – und über die Vermeidung privater Kontakte in einer großen Einrichtung wie der Universität seinen Beitrag dazu leistet, dass das Virus eingegrenzt werden kann.

Der Satz „Es hilft nur das Prinzip Eigenverantwortung“ drückt zudem einen Vorwurf an die verantwortliche Politik aus, die auf Bundes- wie Landesebene über Wochen nicht in der Lage war, drastische Beschränkungen aus dem starken Anstieg der Infektionen abzuleiten. Die Ampel-Koalition in Berlin hatte im Gegenteil sogar den Mut, in einem Moment der wachsenden Überlastung des Gesundheitssystems das Bundesinfektionsschutzgesetz zu ändern und den Status der „epidemischen Notlage nationaler Tragweite“ abzuschaffen.

Das heißt: Diejenigen, die bald in Regierungsverantwortung kommen, starten diese mit einem Signal, das das Gegenteil des eigentlich Notwendigen ausdrückt. Prof. Heinig ging in seinem Tweet nicht so weit, diesen Streit auf die Spitze zu treiben. Aber die wenigen klaren Sätze, verbunden mit dem Rückzug in die digitale Form der Lehre, sind schon Zeichen genug.

Prof. Heinig stammt aus Lingen im Emsland, hat in Hamburg, Hannover und Bochum Rechtswissenschaften studiert und ist seit 2008 Professor für Öffentliches Recht in Göttingen. Für seinen forschen Auftritt, verbunden mit der Mahnung zur Vorsicht in der Pandemie und zur Eigenverantwortung in einer Zeit der politischen Fehler verleiht die Rundblick-Redaktion ihm den Titel „Niedersachse der Woche“. Glückwunsch dazu!