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Wie die Vertreter der DGB am Dienstag in Hannover betonten, hätten die meisten von ihnen noch vor dem ersten Corona-Lockdown Auskunft gegeben. Vielleicht lässt sich auch damit die große Begeisterung für ein Azubi-Ticket begründen. Laut Umfrage zeigen 72 Prozent ein grundsätzliches Interesse an dem Ticket, knapp die Hälfte der Befragten wäre bereit, dafür 30 Euro im Monat zu investieren. Das entspräche dem Vorschlag des DGB, der seit einigen Wochen für ein Modell wirbt, bei dem das Azubi-Ticket umgerechnet einen Euro pro Tag kosten soll. Mehr als ein Drittel der Befragten gibt allerdings an, den Ausbildungsbetrieb weniger gut oder gar nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen zu können. Immerhin fast jeder Fünfte erklärte, die Berufsschule schlecht erreichen zu können. Diesen Kandidaten wäre auch mit einem Azubi-Ticket nicht geholfen, sondern eher mit einer Förderung für den Individualverkehr. Der DGB ergänzt seine Forderung daher noch um einen konsequenten Ausbau des öffentlichen Personen-Nahverkehrs.
Althusmanns Freizeitticket reicht nicht
Dass Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) ein Freizeitticket angekündigt hat, das für junge Leute ab 14 Uhr gelten soll, stößt beim DGB auf ein zweigeteiltes Echo. Mehrdad Payandeh, DGB-Landesvorsitzender, sieht in diesem Ticket-Modell immerhin einen Anfang „Aber es hilft Azubis nur bedingt, da sie damit nicht zur Berufsschule oder zur Arbeit kommen.“ Nehme man die drei Ziele ernst, sowohl die Attraktivität der dualen Ausbildung zu fördern, die Mobilitätswende zu bewältigen und die Standorte in Niedersachsen zu stärken, sei das Azubi-Ticket zwingend, meint Payandeh.Lesen Sie auch: Rückenwind für Azubi-Ticket Weltlage verhindert raschen Aufschwung
Unterstützung erfährt der DGB an dieser Stelle von den Grünen im Landtag. Detlev Schulz-Hendel, verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion, erklärte nach der Vorstellung des Ausbildungsreports: „Wenn 72 Prozent aller Auszubildenden das Azubi-Ticket fordern, wird deutlich, dass der Verkehrsminister mit seinem Freizeitticket am Bedarf vorbei geht.“ Nur ein landesweit einheitliches 365-Euro-Ticket führe zu Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit, meint Schulz-Hendel.
Vielen Azubis fehlt das Geld
Besonders lohnen würde sich das Azubi-Ticket nach Ansicht des DGB-Landesvorsitzenden für Auszubildende, die nur die Mindestausbildungsvergütung erhalten. Die Zahl derer, die von ihrem Ausbildungsgehalt kaum über die Runden kommen, ist laut Angaben des Ausbildungsreports erstaunlich gut. Das wirkt sich nicht nur auf die Mobilität, sondern auch auf die Wohnsituation aus. Für mehr als die Hälfte der Auszubildenden in Niedersachsen und Bremen reiche das Geld am Ende des Monats kaum aus. Im aktuellen Ausbildungsreport gaben 54 Prozent der Befragten in den besagten Ländern an, weniger gut oder gar nicht von ihrer Ausbildungsvergütung selbständig leben zu können. Mehr als jeder Zehnte arbeite daher noch nebenher, um sich etwas dazuzuverdienen. Fast ein Drittel erhält eine finanzielle Unterstützung von Verwandten. Eine eigene Wohnung können sich daher die allermeisten gar nicht leisten. 71 Prozent der Befragten wohnen noch bei ihren Eltern, insgesamt knapp zwei Drittel der Auszubildenden wollen das aber gar nicht mehr. Ute Neumann, Leiterin der Abteilung Jugend beim DGB-Bezirk, wirbt daher dafür, dass bezahlbare Wohnheime als staatlich geförderten Azubi-Appartements eingerichtet werden sollten.
Insgesamt kann der Ausbildungsreport des DGB aber einen positiven Trend vermelden. Mehr als 70 Prozent der Befragten gaben an, zufrieden oder sehr zufrieden zu sein mit ihrer Ausbildung. Der Wert liegt damit zwar etwas geringer als im Vorjahr. Einen deutlich gestiegenen Zuspruch erfuhr allerdings die Qualität der Berufsschulausbildung. Das gehe laut DGB auf die gestiegene Unterrichtsversorgung und neue Investitionen aus dem Digitalpakt Schule zurück.

