28. Aug. 2023
Finanzen

Die Inflation wirkt: Kreditzusagen bei den Sparkassen gehen dramatisch zurück

Die Inflation drückt die Wirtschaft – und die Sparkassen bekommen das zu spüren. Wie der Präsident des Sparkassenverbandes Niedersachsen (SVN), Thomas Mang, im Gespräch mit dem Politikjournal Rundblick erläuterte, verzeichneten die 39 niedersächsischen Sparkassen im ersten Halbjahr 2023 einen deutlichen Rückgang der Kreditzusagen um 42 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Jahres 2022.

SVN-Präsident Thomas Mang. | Foto: Struck

Bei Unternehmen und Selbstständigen beträgt das Abschmelzen 35 Prozent, bei den privaten Kunden sind die Neuzusagen von Krediten gar um 53 Prozent zurückgegangen. In diesen Zahlen spiegelt sich die aktuelle Lage wider – angesichts von Preissteigerungen, höheren Zinsen und insgesamt eher bescheidenen Zukunftsaussichten der Wirtschaft üben sich die Menschen in Kauf- und Konsumzurückhaltung.

Nach den Worten von Mang zeigen sich allerdings die Kreditbestände insgesamt stabil. Einen leichten Anstieg gebe es bei gewerblichen Kunden, einen geringen Verlust bei den privaten Kunden. Dies zeige auch eine gute Kundenbetreuung durch die Sparkassen, die sich offenbar durch eine gute Finanzberatung auszeichneten. In den vergangenen Jahren habe es starke Wachstumsraten gegeben, beispielsweise im Immobilienbereich. Jetzt erlebe das Kreditgeschäft aber eine Normalisierung. Bei den Einlagen verzeichnen die Sparkassen im ersten Halbjahr einen Rückgang um drei Prozent.

Stärker betroffen sind die sogenannten „Sichteinlagen“, also jene ohne Laufzeit oder Kündigungsfrist – oder mit einer geringen Kündigungsfrist. Hier betrage der Aderlass 7,5 Prozent. Mang erklärt das mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten und damit, dass die Menschen am Monatsende weniger Geld übrig hätten als bisher. Ein Teil der Kunden schichte sein Geld auch um in höherverzinsliche Anlagen oder zu anderen Banken, die bereits Zinsen für ihre angelegten Tagesgelder zahlen. Allerdings müsse man hier warnen, denn es handele sich dort teilweise auch um Lockvogelangebote mit nur kurzfristiger Laufzeit. Nach den Worten von Mang sind bei den Sparkassen leider auch die Spareinlagen rückläufig, sie seien um 6,4 Prozent eingebrochen.

Skepsis beim „digitalen Euro“

Die Überlegungen der Europäischen Zentralbank, den Euro auch als digitale Währung einzuführen, betrachtet der SVN nach den Worten von Mang eher mit Skepsis. Die EU-Kommission sehe in der digitalen Währung einen Beitrag zur Sicherung der digitalen und währungspolitischen Unabhängigkeit Europas, auf diese Weise könne im digitalen Zeitalter der Zugang zu öffentlichem Zentralbankgeld für die Bevölkerung sichergestellt werden. Mang sagt nun: „Unseres Erachtens ist unser Geld heute schon ausreichend digitalisiert.

In der Diskussion geht es eher darum, ob die Europäische Zentralbank in den Payment-Markt und damit in den Wettbewerb eintreten soll. Sie könne dann etwa Konten für Endkunden führen.“ Hier gebe es aber einen klaren Interessenkonflikt, denn die EZB könne „nicht einerseits als Notenbank die Banken beaufsichtigen und andererseits mit ihnen in den Wettbewerb treten“. Eine digitale Währung könne auch nur funktionieren, wenn die Menschen darauf vertrauen – und das könne die EZB nicht allein entscheiden. Das Risiko bestehe darin, dass der digitale Euro Liquidität aus dem Finanzsektor absaugen könne – und „das wäre ein Risiko für die Stabilität“.

Dieser Artikel erschien am 29.8.2023 in Ausgabe #146.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum