Darum geht es: Viele Autohersteller versuchen gerade, mit einer „Umweltprämie“ Fahrern älterer Dieselfahrzeuge den Umstieg auf ein neues Auto schmackhaft zu machen. Aber ist die Prämie auch ein Bonus für die Umwelt? Ein Kommentar von Martin Brüning.
Sie ist wieder da, die sogenannte Abwrackprämie. Das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht, denn genau wie damals ist auch die neue Umweltprämie, die diesmal zumindest nicht die Steuerzahler, sondern die Autokonzerne selbst bezahlen, mit Vorsicht zu genießen. Mag die Aussicht auf ein paar gesparte Euro manchen Bürger jetzt zum Autokauf verleiten, so ist die alte neue Prämie weder für die Autokonzerne wirtschaftlich sinnvoll - noch ist der Autobesitzer mit dem neu gekauften Auto ökologischer unterwegs.
Den Autobauern müssten die Nachteile der Abwrackprämie eigentlich noch im kollektiven Konzern-Gedächtnis sein. Denn nach der großen Auto-Sause, gefördert durch Vater Staat im Jahr 2009, kam im Jahr darauf der Kater am Automobilmarkt. Die Prämie hatte den Verkauf zwar auf ein Zehn-Jahres-Hoch gepusht, danach ging es aber wieder steil abwärts. Für die Autobauer war die Prämie nur ein vorübergehendes, flüchtiges Geschäft.
Die ökologische Bilanz einer solchen Maßnahme ist derweil ebenso kritisch zu hinterfragen wie vor acht Jahren. Das fängt schon bei der Gestaltung der neuen Umweltprämie an. So steigt zum Beispiel bei Volkswagen die Prämie mit der Größe des Fahrzeugs. Ob aber jemand, der seinen alten Polo gegen einen neuen Touareg-SUV tauscht, der Umwelt unbedingt einen Gefallen tut? Eher nicht. Auch der Kauf eines neuen Diesels, der inzwischen von vielen als „Übergangstechnologie“ gebrandmarkt wird, dürfte eher fragwürdig sein, wenn es sich zum Beispiel um einen Motor nach Euro-6-Norm handelt.
Noch mehr Geld gibt es von Volkswagen, wer zum Beispiel ein Hybrid- oder Elektroauto kauft. VW nennt es „Zukunftsprämie“, die Zeche dafür zahlt aber die Umwelt. Denn hier beißen sich die globalen Klimaschutz- mit den lokalen Luftreinhaltungszielen am stärksten. Die Ökobilanz eines neuen Elektroautos ist nicht so grün, wie manche das gerne vermitteln. Ist die Produktion eines neuen Fahrzeugs ohnehin schon höchst energieintensiv, wird die CO₂-Belastung durch die Produktion des Akkus beim E-Mobil noch einmal gesteigert. Der Aufwand ist so groß, dass man mit einem Diesel rund 150.000 Kilometer fahren kann, bis man mit dem E-Auto der Umwelt etwas Gutes tut.
Viel zu wenig gesprochen wird in unserer Gesellschaft zudem über die Beschaffung der Rohstoffe für die E-Mobilität. Für die Produktion der Akkus wird unter anderem Lithium und Kobalt benötigt. Dabei ist man derzeit stark auf China angewiesen, das sich in afrikanischen Ländern viele Schürfrechte gesichert hat. Die Arbeitsbedingungen in den Minen sind oft schlecht, Kinderarbeit teilweise alltäglich. Je mehr Akkus wir für Elektroautos benötigen, desto mehr dieser Rohstoffe werden wir benötigen. Bisher ist noch unklar, wie und vor allem unter welchen Bedingungen unsere Industrie diese Rohstoffe in ausreichenden Mengen beziehen kann. Die Zukunft der Mobilität hat neben ökologischen auch ethische Aspekte.
Das Ziel von Autoherstellern ist es, Autos zu verkaufen. Das ist nicht zu kritisieren und jeder Kunde kann sich beim Kauf über eine solche Prämie freuen. Aber mit der Umwelt hat die Prämie nur wenig zu tun, auch wenn sie so genannt wird.
Mail an den Autor dieses KommentarsDieser Artikel erschien in Ausgabe #136.