Will das Land "energisch nach vorne bringen": SPD-Landeschef Stephan Weil - Foto: ;MB.[/caption]
Die erste Attacke auf Althusmann setzt Weil gleich an den Anfang seiner Rede. Dass eine Abgeordnete von den Grünen zur CDU übergelaufen war, erinnere an Mandatswechsel und geheime Überläufer im Landtag 1970 und 1976. Bei solchen Missachtungen des Wählerwillens handele es sich „offenbar um einen Teil des christdemokratischen Erbguts in Niedersachsen“. Auch für die heutige CDU-Führung gelte: „Sie haben viele Tricks drauf, aber wenig Anstand.“ Kurz darauf streift Weil die Bildungspolitik, die Einführung des Turbo-Abiturs, das mit dem Namen des damaligen Kultusministers Althusmann verknüpft sei.
Wenig später ist er bei VW, und wieder wird Althusmann von ihm angefeindet, der angekündigt habe, aus internen VW-Aufsichtsratssitzungen berichten zu wollen: „Das ist ein starkes Stück, dass ein Bewerber für ein hohes Staatsamt erklärt, glatten Rechtsbruch begehen zu wollen. Legal, illegal, piepegal – die niedersächsische CDU hat inzwischen jeden Kompass verloren.“ Dann fügt er hinzu: „Wer Verantwortung will, muss auch verantwortungsbewusst sein. Wer aber so redet, ist dafür ungeeignet.“ Als Weil Minuten später die Innenpolitik beleuchtet und den CDU-Vorschlag eines 18-monatigen Gewahrsams für Gefährder, startet er den nächsten Angriff: „Manchmal muss man den Rechtsstaat gegen die CDU verteidigen.“
Legal, illegal, piepegal – die niedersächsische CDU hat inzwischen jeden Kompass verloren
Die Delegierten wollen solche Kampfansagen an die Christdemokraten hören, sie springen am Ende der Weil-Rede sogar auf und applaudieren, die Begeisterung ist groß. Dagegen fallen die anderen Passagen, obwohl inhaltlich bemerkenswert, schon ab. Weil hatte alle sozialdemokratischen Kabinettsmitglieder gelobt, doch der Applaus dafür entwickelt sich unterschiedlich. Sehr stark ist der Beifall für Boris Pistorius, Olaf Lies hatte schon zur Begrüßung tosenden Applaus erhalten (stärker noch als der für Pistorius), ebenso Fraktionschefin Johanne Modder. Dagegen sind die Reaktionen für Frauke Heiligenstadt, Peter-Jürgen Schneider und Cornelia Rundt eher gedämpft. Der im Redemanuskript gedruckte Satz: „Du machst eine tolle Arbeit, Cornelia“ wird vom Ministerpräsidenten gar nicht erst vorgetragen.


