19. Okt. 2015
Archiv

Investitionsrückgang hält an

(rb) Hannover. Im vierten Jahr in Folge haben die niedersächsischen Industrieunternehmen der Metall- und Elektroindustrie ihre Investitionen zurückgefahren. Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes NiedersachsenMetall, Dr. Volker Schmidt, wertet diese Entwicklung, die historisch ohne Beispiel sei, als Alarmzeichen in Zeiten einer an sich guten Konjunktur. Zwar werde weiter investiert, aber die Unternehmen ließen ihr Kapital vorzugswese ins Ausland fließen. Derzeit entwickle sich vor allem Polen zu einer echten Konkurrenz für den Industriestandort Deutschland, sagte Schmidt jetzt bei der Vorstellung der Herbst-Konjunkturumfrage bei den Metall- und Elektro- sowie den Dienstleistungsunternehmen. Demnach werden auch Forschung und Entwicklung (F+E) bereits ins Ausland verlagert, und es sei damit zu rechnen, dass Neuentwicklungen dann auch dort produziert werden, gab Schmidt zu bedenken. Er erneuerte seine Forderung, F+E in Deutschland steuerlich stärker zu fördern, wie dies die deutschen Nachbarländer längst täten. Schmidt würdigte in diesem Zusammenhang die von NiedersachsenMetall interstützte Initiative des Landes, die F+E-Investitionen mittelständischer Betriebe zu fördern. Für bedenklich hält der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes auch die Stagnation bei der Beschäftigung. Nach dem ununterbrochenen Aufbau in den Betrieben seines Verbandes, mit dem seit 2010 rund 30 000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen worden seien, seien diese Aktivitäten nun zum Stillstand gekommen und Personalpläne auf Eis gelegt worden. Für 2016 werde kein nennenswerter Zuwachs mehr erwartet. „Die Unternehmen sind im Krisenmodus“, sagt Schmidt. Hintergrund sind seiner Meinung nach vor allem die hohen Tarifabschlüsse, die viele Betriebe durch verzögerte Nachbesetzung wieder hereinholen wollen. Als weiteren Grund nannte er die rückläufige Entwicklung in China. Die Ereignisse um den Abgasskandal bei VW haben auf die Herbstzahlen der Konjunkturumfrage noch keinen Einfluss gehabt. Nach Schmidts Angaben herrscht bei den Zulieferern aber eher eine abwartende bis gelassene Grundstimmung vor. Er warb in diesem Zusammenhang neben der Solidarität für den Wolfsburger Autobauer auch um die Solidarität mit den rund 80 000 Beschäftigten der Zulieferbetriebe. Er setze darauf, dass diese trotz aller Einsparnotwendigkeiten bei VW das wirtschaftliche Rückgrat des Konzerns bleiben werden.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #191.
admin
Autoradmin