9. Sept. 2026
TagesKolumne

Kampagne hinter dem Plakat

Kampagnen sind nicht immer plakativ. Es gibt auch das Geraune, dem Wahlkämpfer machtlos ausgeliefert sind.

Wahlkampf ist immer auch eine Frage von Timing. Gute Strategen planen eine erste, eine zweite und vielleicht sogar eine dritte Welle von Plakatmotiven. Bekanntmachen, Botschaft setzen, mobilisieren. Dasselbe wiederholt sich spiegelbildlich in Werbeanzeigen sowie auf den sozialen Medien. Es kann Freude bereiten, eine auf diese Weise orchestrierte Kampagne zu beobachten.

Kampagnen sind nicht immer plakativ. | Foto: Kleinwächter

Kampagnen sind aber nie nur plakativ. Urheber und Motive liegen oft auch im Verborgenen. Kein Parteilogo und keine TTPW-Erklärung legt offen, wer da tatsächlich am Werk ist. Das mag ein Geraune sein über die unschönen Charakterzüge eines Kandidaten, die nur kennt, wer ganz nah an ihm dran ist. Oder das Gerücht über ein Vergehen, das niemand benennt und daher auch keiner entkräften kann. In diese Kategorie fällt vielleicht auch das eine Detail auf einem Wahlplakat, sagen wir eine Halskette, die plötzlich in Internetforen auf der halben Welt rauf und runter diskutiert wird.

Auch bei diesen mehr oder weniger subtilen Aktionen ist das Timing entscheidend. Geraune kann am besten zum Grundrauschen werden, wenn es sich früh verbreitet und lange hält ohne allzu laut ausgesprochen zu werden. Denn wie lässt sich ein Geraune schon widerlegen oder gar stoppen? So dreht es leise seine Runden, kehrt vielleicht sogar zum Urheber zurück, ohne dass der Informant dies ahnt. Dann bloß keine Miene verziehen, sonst fliegt man auf. Je heikler die Vorhaltungen sind, desto weniger Zeit sollte hingegen bis zum Wahltermin bleiben. Am besten genau so viel, dass viele davon mitbekommen, aber nicht so viel, dass es sich juristisch ausräumen ließe oder vom Wahlvolk wieder vergessen werden könnte.

Wo kommt das her? Wo führt das hin? Es bleibt den Wahlkämpfern und ihren Strategen unverfügbar. Wer diese Dinge beobachtet, der weiß immerhin: Hier sind Profis am Werk. Vielleicht kann dieser Umstand ja auch beruhigend sein … solange sich die Professionalität nicht im Wahlkampf erschöpft, sondern auch im politischen Alltag bewährt. Abwarten.

Ab diesem Mittwoch tagt wieder der Landtag in Hannover. Bevorzugtes Habitat für geraunte Gerüchte. Wir werden hinhören und nachhorchen. Heute haben wir aber erst einmal diese Informationen für Sie:

  • Verdienstausfall: Hat eine hohe SPD-Politikerin im Rat der Landeshauptstadt genügend Belege eingereicht, um Entschädigungszahlungen zu erhalten? Es gibt Zweifel daran – aber auch Rechtfertigungen.


  • Jugend: Niedersachsens Jugendförderungsgesetz soll komplett neu aufgelegt werden. Nach umfangreicher Beteiligung der Betroffenen legt nun das Kabinett seinen Entwurf vor.


  • Innenstädte: Spekulanten, Renditedenken und verwaiste Kaufhäuser bedrohen die Innenstädte. Warum Kommunen jetzt selbst „Schlüsselimmobilien“ kaufen müssen, um den Verfall zu stoppen.


  • Personen und Positionen: Ansgar Schledde, Fabian Feil, Christian Fühner und Olaf Brandes, Daniela Cavallo.

Bleiben Sie aufmerksam!

Ihr Niklas Kleinwächter

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #155.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter
Kampagne hinter dem Plakat | Rundblick Niedersachsen