Ein besonderer Außentermin war am beliebtesten
Zurück zur SPD-Klausur. Wenn die SPD-Fraktion Hannover verlässt, um zu beraten, schwärmen die Abgeordneten an Ort und Stelle traditionell immer gruppenweise zu Terminen aus. „Fraktion vor Ort“ nennt sich das Format. Besonderer Beliebtheit erfreut sich in Lüneburg die Tour inklusive Stadtführung zur Studio Hamburg-Produktion „Rote Rosen“, einer seichten ARD-Serie, die seit 2006 in Lüneburg gedreht wird. Die übrigen Busse sind nicht ganz so voll. Die Gruppe „Wissenschaft und Kultur“ fährt zunächst zum Theater Lüneburg. Und dort geht es natürlich: ums Geld. „Kommunale Theater wollen wir stärken, die Grundförderung erhöhen und die Tarifsteigerung übernehmen“, heißt es im Koalitionsvertrag, und im Lüneburger Theater freut man sich darüber, auch wenn Frauke Heiligenstadt noch leise „Haushaltsvorbehalt“ sagt. Sie hat sich offensichtlich schnell an ihre neue Rolle als Sprecherin für Haushalt und Finanzen gewöhnt. Geld kann man in Lüneburg gut gebrauchen. Denn trotz positiver Entwicklungen bei den Besucherzahlen in dem Haus mit drei Bühnen läuft man einem Berg roter Zahlen hinterher, der entstanden ist, weil Tarifsteigerungen der vergangenen Jahre von den Gesellschaftern nicht zu 100 Prozent ausgeglichen worden sind. Geld kommt vom Land, von Stadt und Landkreis sowie der Sparkassenstiftung. Es könnte eben mehr Geld sein, lautet die Botschaft, gerne auch vom Land.„Es sind keine Überraschungen zu erwarten“ - Leuphana-Präsident Sascha Spoun zu den Kosten für das neue Gebäude
Weiter geht’s zum neuen Zentralgebäude der Leuphana-Universität. Viel Streit hat es in der Landespolitik um den Bau des Architekten Daniel Libeskind gegeben, aber wer das Gebäude dann vor Ort sieht, ist zunächst einmal beeindruckt. Wo man hinsieht, gibt es schiefe Wände, die Front sieht wie der Bug eines Schiffes aus, das beeindruckende Audimax dürfte manchem Professor anderer Hochschulen die Tränen in die Augen treiben. Dieses Gebäude ist ein architektonisches Kunstwerk, wirkt allerdings zwischen Waldgebiet und ehemaligen Kasernengebäuden auf dem Leuphana-Campus wie ein Rolls Royce auf dem Kiesplatz eines zwielichtigen Gebrauchtwagenhändlers.
Sei’s drum, das Land ist um eine Attraktion reicher. „Niedersachsen hat damit ein tolles Geschenk bekommen“, sagt Leuphana-Präsident Sascha Spoun. „Aber Geschenke kauft man normalerweise nicht“, murmelt fast unhörbar eine SPD-Abgeordnete. Wie teuer es denn nun am Ende werde, fragen die SPD-Parlamentarier. Oder konkreter: auf wieviel mehr als 100 Millionen Euro sollte man vorbereitet sein? Spoun windet sich wortreich. Die Endabrechnung werde gerade erstellt, jedes Gewerk sorgfältig überprüft. „Es sind keine Überraschungen zu erwarten“, versichert Spoun. Einen Streit wollen die Abgeordneten allerdings nicht vom Zaun brechen. „Der Blick zurück ist immer in Milde“, beschwichtigt Parlamentspräsidentin Gabriele Andretta. Und so freut sich Spoun schon wieder auf neues Geld durch die im Koalitionsvertrag versprochene bessere Grundfinanzierung der Hochschulen. „Haushaltvorbehalt“, ruft Frauke Heiligenstadt. (MB.)

