28. Feb. 2020
Soziales

Corona-Virus: Landesregierung zwischen Schutzvorkehrung und Panikvermeidung

Nach den Worten von Regierungssprecherin Anke Pörksen ist es keine Frage mehr: Das Corona-Virus wird irgendwann auch in Niedersachsen auftreten, für diesen Fall peilten die zuständigen Behörden „einen umsichtigen Umgang mit dem Thema“ an. Koordinierungsstäbe tagen bereits regelmäßig, und sie stehen auch im Kontakt mit der Hannover-Messe, deren Beginn bisher noch für den 19. April terminiert ist. Bisher gibt es „noch keine Tendenz zur Absage“, sagte Eike Frenzel, Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Irgendwann könne aber ein „Point of no return“ erreicht sein, der eine Entscheidung für oder gegen die Messe bestimmt. Auch über eine Verschiebung der Ausstellung wird diskutiert.
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Eine Konsequenz ist bereits gezogen worden. Die Deutsche Rentenversicherung Bund hat ihren Reha-Kongress, der von heute an für drei Tage im hannoverschen Kongresszentrum stattfinden sollte, abgesagt – offenbar weil das Risiko zu groß gewesen wäre, dass Ärzte und Reha-Spezialisten, die in ihren Kliniken gebraucht werden, sich bei Tagungen dieser Art anstecken könnten. Sollte die Verbreitung dieser Krankheit zunehmen, ist mit weiteren Absagen von Großveranstaltungen, strengeren Gesundheitsprüfungen an bestimmten Verkehrsknotenpunkten und mit Schutzvorkehrungen (verstärkte Angebote zum Desinfizieren) zu rechnen. Der Infektionsschutzexperte Fabian Feil aus dem Sozialministerium sagte, es gebe bisher „keine generelle Zirkulation in Deutschland“. Krisengebiete, in denen sich der Virus rasch verbreiten könne wie etwa in Italien, China oder Südkorea, seien hier nicht vorhanden.

Sozialministerium: Jedes Krankenhaus kann behandeln

Wenn es zu Corona-Fällen in Niedersachsen kommt, sollte nach Angaben des Sozialministeriums jedes Krankenhaus in der Lage sein, die Erkrankten zu behandeln. Allerdings sei es wohl nötig, erklärt Feil, die Stationen zu isolieren. Schutzausrüstung sei für das medizinische Personal notwendig, und nach einer Befragung von vor ein paar Wochen war seinerzeit davon genügend in allen Kliniken vorrätig. Rund 70 Prozent dieses Materials werden aber in China hergestellt, und in den Handelsbeziehungen zu den dortigen Produktionsstätten gibt es inzwischen Lieferengpässe. Nach Mitteilung des Wirtschaftsressorts drohen wegen des Corona-Virus Einbußen im Handel. Es sei möglich, dass sich in den Häfen Container stapeln, weil keine Schiffe mehr ankommen, die diese entgegennehmen. Dass der Erreger über Schiffe aus China nach Deutschland kommen könnte, gilt als unwahrscheinlich. Die Schiffe brauchen vier Wochen, in dieser Zeit muss in der Besatzung die Krankheit ausgebrochen sein – und vor der Ankunft in einem niedersächsischen Hafen ist eine Gesundheitsüberprüfung der Passagiere vorgeschrieben. Wie Frenzel vom Wirtschaftsministerium sagte, erwägt Minister Althusmann, seine für März geplante Reise nach Vietnam und Thailand abzusagen.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #041.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter