Das neue Ziel der niedersächsischen Landesregierung steht seit der Anpassung des Klimagesetzes fest: Bis 2030, also in den kommenden sechs Jahren, sollen die jährlichen Treibhausgasemissionen aus kohlenstoffreichen Böden um 1,65 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente verringert werden. Der Weg dorthin dürfte allerdings nicht nur im direkten Wortsinn matschig, sondern auch im übertragenen Sinne steinig werden. Denn Niedersachsen gehört zu den moorreichsten Ländern der Bundesrepublik. Mehr als 484.000 Hektar kohlenstoffreiche Böden mit Relevanz für den Klimaschutz gibt es hierzulande. Der überwiegende Teil davon wird landwirtschaftlich genutzt – bislang zumindest. 13 Prozent der Fläche dienen dem Ackerbau und auf ganzen 56 Prozent wird Grünland bewirtschaftet. Bricht diese Wertschöpfung künftig gänzlich weg, wenn die Moore wieder vernässt werden sollen, um ihrer klimaschützenden Funktion erneut nachkommen zu können?

Seit Jahren befasst sich die Landespolitik bereits mit dieser Fragestellung und lässt alternative Nutzungskonzepte erforschen. Betrachtet werden dabei etwa die Möglichkeiten, Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen auf die feuchten Moore zu stellen oder sogenannte Paludikulturen, also Schilfe oder Moose, anzupflanzen. Marco Mohrmann, agrarpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, wollte vom Agrarministerium nun ganz konkret wissen, ob dabei auch weiterhin an eine landwirtschaftliche Primärproduktion gedacht werde: Soll es in den betroffenen Regionen künftig noch Rinderhaltung geben? „Ganz klar: wir haben auch die landwirtschaftliche Urproduktion auf Moorland im Blick. Ein Projektantrag zur Weide- und Schnittnutzung von Grünland mit Milchvieh ist in Bearbeitung“, antwortete ihm Anne Lammen-Ewers, die in der jüngsten Sitzung des Landtags-Agrarausschusses im Namen des zuständigen Ministeriums unterrichtete.
Die Landesregierung arbeite derzeit daran, die Landesstrategie zum Moorbodenschutz weiterzuentwickeln, und wolle die Kommunikation mit den Betroffenen zum Beispiel über Dialogprozesse verbessern, führte Lammen-Ewers weiter aus. Zudem solle es künftig ein „Moorkoordinierungszentrum“ geben, das die Vernetzung auf zwei Ebenen sicherstellen soll: Erstens strebe man eine „institutionelle Vernetzung und Bündelung des Wissens“ an. Insbesondere die Kompetenzen aus dem 3-N-Kompetenzzentrum, dem Landesbergbauamt (LBEG) und der Landwirtschaftskammer wolle man bündeln und „Synergien optimaler nutzen“. Zweitens gebe es das Ziel, die regionale Vernetzung zu unterstützen, um das Wissen über die künftigen Nutzungsmöglichkeiten sowie die Prozesse vom Konzept über die Planung bis zur Durchführung in die Fläche zu bringen. Im Agrarministerium erhofft man sich außerdem, aus den regionalen Netzwerken Informationen über mögliche Förderbedarfe zu erhalten.
In den jüngsten Haushaltsverhandlungen hatte sich das Agrarministerium mit seinem Wunsch, das entsprechende Personal für den Moorschutz zu stärken, noch nicht durchsetzen können. Man wolle den erhöhten Stellenbedarf für 2025 aber erneut anmelden und politisch priorisieren, berichtete Lammen-Ewers. Zum CDU-Vorschlag, künftig eine institutionelle Förderung etwa für das Grünlandzentrum einzurichten, gab sie zu bedenken, dass laut Vorgabe des Finanzministeriums erst dann eine neue Institution in den Kreis der Empfänger aufgenommen werden kann, wenn ein anderer zeitgleich ausscheidet.

In der Zwischenzeit werde weiter geforscht, wie Wertschöpfung auch auf nassen Feldern gelingen kann, wenn der Boden zu weich wird für Traktoren oder ausgewachsene Rinder. Drei Modellvorhaben würden derzeit in Niedersachsen durchgeführt: das „Ronni“-Projekt in Oldenburg zur nachhaltigen Erzeugung und Verwertung für Rohrkolben auf Niedermoorstandorten, das „Living Lab Teufelsmoor“ zur nassen und naturschutzorientierten Bewirtschaftung von Niedermooren, sowie das „Moosland“-Projekt der Universität Greifswald. Hinzu kommt der erwähnte neue Projektantrag des Grünlandzentrums, der gerade im Agrarministerium bearbeitet werde – Laufzeit: zehn Jahre.
Die Beratungen im Agrarausschuss des Landtags werden unterdessen fortgeführt. Die Koalitionsfraktionen haben nun einen eigenen Antrag in Konkurrenz zu verschiedenen CDU-Vorstößen angekündigt. Anschließend soll es voraussichtlich noch eine Expertenanhörung geben.


