Seit Wochen gibt es in einem der größten Konzerne Niedersachsens Meldungen über Sparpläne, notwendige Kürzungen und Umstellungen. Jetzt hat die AfD-Landtagsfraktion die Situation bei Volkswagen zum Thema einer aktuellen Debatte erklärt – und dabei die konsequente Umstellung auf E-Autos problematisiert.

Der Konkurrent Toyota habe VW längst in der weltweiten Bedeutung überholt und biete dabei keine Verengung auf Elektroautos an, erklärte der AfD-Wirtschaftsexperte Omid Najafi. Aus seiner Sicht ist es ein Ausdruck der Krise, dass die VW-Verkaufszahlen in den vergangenen sechs Jahren stark geschrumpft seien. Ein Grund dafür sei, dass viele Menschen eben keine E-Autos kaufen wollten.
Deutlichen Widerspruch erfuhr Najafi vom SPD-Wirtschaftspolitiker Christoph Bratmann. Die Darstellung des AfD-Politikers von Toyota stimme nicht, vielmehr sei der japanische Hersteller schon 1997 einer der ersten gewesen, der Hybrid-Modelle auf den Markt gebracht hat – und damit durchaus gute Erfahrungen gesammelt habe. Aber Bratmann räumte ein: „Volkswagen steckt in einer ernstzunehmenden Krise.“ Die Produktionskosten seien hoch und es habe Fehler bei der Modellstrategie gegeben. Der Konzernvorstand habe die Mitarbeiter auf notwendige Veränderungen eingestimmt.
Bei der Frage nach Auswegen aus den Schwierigkeiten gab es in der Landtagsdebatte Meinungsverschiedenheiten. Während Najafi in der Ausrichtung auf die E-Mobilität das Problem sieht, meinte Bratmann: „Ein Zurück wäre der Weg in den sicheren Untergang.“ In der Zukunft komme es auf Elektroantriebe der Fahrzeuge an, außerdem seien die Kraftfahrzeuge „zunehmend auch Bestandteil der Erlebniswelt“. Volkswagen tue sich derzeit bei seiner Kernmarke schwer, erschwingliche Fahrzeuge anzubieten. Wichtige Entwicklungen seien verschlafen worden. Nicht alle Schwierigkeiten könnten nur über Sparprogramme gelöst werden. Die staatliche Unterstützung der Wirtschaft sei ebenfalls notwendig – das zeige das Beispiel China und USA, wo solche Hilfen selbstverständlich seien.
Der Grünen-Abgeordnete Heiko Sachtleben erklärte, nötig sei jetzt „eine progressive Politik“, die „den Mut und den Willen zur Veränderung aufbringt“. Die fossilen Brennstoffe würden „bald Teil der Geschichtsbücher sein“, in Zukunft würden die Älteren von ihren Kindern gefragt: „Was, ihr habt Euch mit Explosionen fortbewegt?“ Nach Ansicht von Sachtleben „gibt es keinen günstigeren Strom als den von Sonne und Wind“. Der AfD warf Sachtleben vor, sie zeichne ein „unzutreffendes Untergangsszenario für VW“. Tatsächlich würden in Wolfsburg Sonderschichten gefahren, in Markenvergleichen schneide VW gut ab, die jährliche Produktionsmenge sei ein guter Durchschnitt, wenn auch nicht herausragend. Der Grünen-Politiker meinte, man solle „lieber über zu hohe Managergehälter und über Boni sprechen“.
Wo ist der Masterplan für die Automobilwirtschaft?
Marcel Scharrelmann (CDU) meinte, er vermisse Initiativen und Hinweise zur Stärkung der Automobilindustrie. Weder Ministerpräsident Stephan Weil, noch Wirtschaftsminister Olaf Lies oder das VW-Aufsichtsratsmitglied Julia Hamburg hätten mit neuen Ideen und Plänen auf die Probleme der Branche reagiert. „Wo ist der Masterplan für die Automobilwirtschaft?“, fragte Scharrelmann und sprach von 340.000 Facharbeitskräften, die hier hohe Erwartungen hätten. Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) meinte, Konzernleitung und Betriebsrat von VW seien in guten Kontakten. Wichtig sei, dass der Autohersteller „Fahrzeuge baut, die sich die Menschen leisten können“, das müssten auch E-Autos sein. An die AfD gewandt meinte Lies: „Der Versuch, die Zukunft und die Veränderung schlecht zu reden, wird nicht ankommen bei den Menschen.“ Das Land solle sich an die Seite der Beschäftigten in der Autoindustrie stellen, die die nötige Transformation schaffen wollten. (kw)


