Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und die niedersächsische Landesvertretung der Handwerkskammern wenden sich mit einem umfangreichen Positionspapier an die Landesregierung, sowie an Politiker aller weiteren politischen Ebenen. Die beiden Kammern eint die Sorge vor einem stetigen Verfall der ländlichen Räume, einhergehend mit erheblichen Problemen für die Wirtschaft sowie für das gesellschaftliche Zusammenleben insgesamt. Sie formulieren ihre Empfehlung auch vor dem Hintergrund der Situation, die in vielen Teilen Ostdeutschlands zu beobachten ist, wo Perspektivlosigkeit auf dem Land um sich greift: Schließt erst der letzte Bäcker, stirbt bald darauf das Dorf.

Den flächendeckenden Ausbau der digitalen Infrastruktur bezeichnen die Verbände dabei als entscheidende Grundvoraussetzung für eine Stärkung der Regionen jenseits der Ballungsräume. Erst wenn der Breitbandausbau abgeschlossen ist, seien Unternehmen aus Landwirtschaft und Handwerk überall im Land in der Lage, sich innovativ aufzustellen und entsprechend auch den Menschen vor Ort wieder Zukunftsaussichten zu bieten. „Der Spruch von ,5G an jeder Milchkanne‘ klingt abgedroschen, aber er trifft noch immer zu“, sagt Handwerks-Präsident Eckhard Stein. Der Präsident der Landwirtschaftskammer, Gerhard Schwetje, ergänzt: „Wir brauchen mehr Tempo beim Ausbau der digitalen Infrastruktur. Wenn Wirtschaftsminister Olaf Lies 5G bis 2030 verspricht, brauchen wir zumindest 4G ab 2026.“
Insgesamt zehn Ziele formulieren die Verbände in ihrem gemeinsamen Empfehlungspapier:
Mehr als nur Grundversorgung: Damit das Leben auf dem Land attraktiv bleibt, brauche es das Handwerk: vom Bäcker und der Fleischerei über Dienstleister im Bereich Gesundheit und Mobilität bis hin zu Heizungs- und Sanitärmonteuren. Wichtige Förderprogramme wie die Meistergründungsprämie oder Moderatoren für die Betriebsübernahme seien dafür entscheidend, aber auch Kindergärten spielten eine wichtige Rolle.
Leidige Verwaltung: Was große Betriebe einfach leisten können, überfordert kleine Betriebe schnell. Die Kammern fordern deshalb, unnötige Bürokratie abzubauen und Verwaltungsverfahren rasch zu digitalisieren.
Belastbare Infrastruktur: Ob Busse oder Internet – die ländlichen Räume müssen angeschlossen sein, damit die Menschen nicht dorthin abwandern, wo es besser läuft.
Leerstände nutzen: Statt im Speckgürtel der Ballungsräume immer mehr Flächen mit Neubauten zu versiegeln, empfehlen die Kammern die Umrüstung der vorhandenen Bausubstanz in den Dörfern.
Förderprogramme nutzen: Niedersachsens Europaministerium soll sich in der EU für eine stärkere Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen einsetzen, meint Hildegard Sander, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammern Niedersachsens. Auch sollte das Nahrungsmittelhandwerk nicht aus der Investitionsförderung ausgeschlossen werden.
Klimaschutz in der Fläche: Der ländliche Raum hat Platz für die Energiewende, erinnern die Kammern. Zugleich erkennen sie im Ausbau der Erneuerbaren Energien Potenziale für die Handwerks-Unternehmen sowie ein zweites Standbein für die Landwirte.
Fortschrittliche Betriebe fördern: Denkt man an digitale Innovationen, komme einem zu Unrecht nicht sofort der ländliche Raum in den Sinn. Die Kammern loben aber die Innovationsförderung des Bundes und fordern eine Ausweitung der Digitalisierungswerkstätten und Digitalberatungen.
Fairer Datenhandel: Im Wettbewerb um Daten werden kleine Betriebe gegenüber den großen Unternehmen benachteiligt. Faire Rahmenbedingungen können den Mittelstand stärken und etwa Reparaturdienstleistungen von Technikprodukten auf dem Land erleichtern.
Ausbildungsqualität verbessern: Lehrwerkstätten sollen besser ausgestattet und die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung vom Bund besser vergütet werden, fordern die Kammern.
Bessere Berufsorientierung: Der Trend zum Hochschulstudium schwächt die ländlichen Räume und die regionalen Betriebe. Schüler sollen deshalb besser über die Angebote des Handwerks vor Ort informiert werden.



