Lange schon versuchen Tierschützer und auch einzelne Abgeordnete des niedersächsischen Landtags, Nutztieren das Leid durch einen Transport in ein fernes Land zu ersparen. Niedersachsens Agrarministerin Miriam Staudte (Grüne) schiebt dieser umstrittenen Praxis nun einen Riegel vor. Wie das Ministerium mitteilte, wurde bereits am 9. Oktober der sogenannte „Ägypten-Erlass“ an die Veterinärbehörden herausgegeben. Dieser untersagt die Genehmigung von Lebendtiertransporte, die als Zielort einen Stall im Hafen von Alexandria angegeben haben.

Dem Ministerium lägen „glaubhafte Informationen vor, nach denen niedersächsische Rinder nicht wie angegeben dort untergebracht waren. Der angegebene Treibweg durch den Hafen ist für die Tiere nicht passierbar.“ Erst kürzlich ist ein zweiter Erlass hinzugekommen, der Transporte nach Nordafrika und Vorderasien untersagt. Konkret betroffen sind Lebendtiertransporte in die Zielländer Ägypten, Algerien, Aserbaidschan, Irak, Iran, Jemen, Jordanien, Kasachstan, Kirgisistan, Libanon, Libyen, Marokko, Syrien, Tadschikistan, Tunesien, Turkmenistan und Usbekistan.
Das Agrarministerium begründet dies damit, dass die Tiere am Zielort früher oder später ohne Betäubung geschlachtet würden – eine dort übliche Praxis, die mit erheblichen, langanhaltenden Schmerzen und Leiden für die Tiere einherginge. Ein dritter Erlass sei zudem gerade in der Erarbeitung, erklärte die Ministerin. Dieser soll die Richtlinie für längere Transporte in Drittländer konkretisieren. Den Verantwortlichen wird auferlegt, anhand von Fotos, auf denen die Tiere mit ihren Ohrmarken erkennbar sein müssen, zu dokumentieren, dass die Tiere an ihrem Bestimmungsort tatsächlich angekommen und dort ordnungsgemäß versorgt worden sind.
Die Transporte in Drittstaaten stehen nicht nur wegen der strapaziösen Reise in der Kritik, sondern auch wegen geringerer Tierschutzstandards an den Zielorten. Zudem wird regelmäßig infrage gestellt, ob die Rinder aus Niedersachsen tatsächlich für die Zucht und nicht nur für eine rasche Schlachtung genutzt werden.


