- Kura ist Favoritin für Landesvorsitz der Grünen
- Heinen-Kljajic: „Wir Grüne haben uns ohne Not den ,Heiligenstadt-Schuh‘ angezogen“
Anne Kura bei ihrer Bewerbungsrede in Oldenburg - Foto : kw[/caption]
Spricht man Kura auf die Krise der Partei nach der Landtagswahl an, zeigt sie sich selbstkritisch. „Es war gut, dass wir zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder an der Regierung beteiligt waren. Das hat aber auch dazu geführt, dass die Partei sich sehr auf die Begleitung des Regierungshandelns konzentriert und zu wenige Themen und Visionen über den Alltag hinaus entwickelt hat.“ Das sei bis zu einem gewissen Grad verständlich, immerhin habe es eine handfeste Gelegenheit zum Mitgestalten gegeben. „Aber wir haben es damit vielleicht ein bisschen übertrieben“ Sie hat vor allem Überlegungen vermisst, mit denen man aneckt. Eine von den Grünen proklamierte Kernkompetenz. „Wenn man was ändern will, dann stößt man auf Widerstand. Und das können wir doch eigentlich gut, wir müssen uns nur darauf wieder stärker besinnen“, sagt Kura nun. Auch die Debattenkultur innerhalb der Partei und nach außen will sie ändern. Denn die sei ihrer Meinung nach zuletzt viel zu weich geworden. „Wir haben strittige Fragen zwar angesprochen, aber uns trotzdem häufiger mit dem Minimalkonsens zufriedengegeben.“ Das gelte auch für die rot-grüne Regierungszeit. „In rot-grünen Beschlüssen wurde zu selten klar, was die Forderungen der Grünen eigentlich gewesen sind. Hier hätten wir deutlicher machen müssen, mit welcher Haltung wir Grünen in die Debatte hineingegangen sind, und warum wir an welchen Stellen Kompromisse gemacht haben – zum Beispiel in der Bildungspolitik.“
Kura glaubt, dass sich durch eine offenere Debatte auch das Vertrauen der Wähler zurückgewinnen lässt. „Die Bürger sind nicht dumm, sie wollen klare Ansagen und keine weichgespülten Floskeln hören.“ Um das zu erreichen, will sie die „Town Hall Meetings“ aus der Wahlkampfzeit zur festen Institution machen. Dabei hält ein grünes, idealerweise prominentes Parteimitglied einen kurzen Impulsvortrag, anschließend sind die Besucher zur Diskussion aufgefordert. „Wir haben dabei im vergangenen Jahr die Erfahrung gemacht, dass das nicht nur Grünen-Mitglieder anzieht, sondern auch von vielen Bürgern als niedrigschwelliges Angebot wahrgenommen wird, um mit uns Politikern ins Gespräch zu kommen.“

