Die steigenden Wohnkosten beunruhigen immer mehr Menschen in Niedersachsen. 52 Prozent der Bürger halten die hohen Mieten für eines der dringendsten Probleme des Landes und sagen: Darum muss sich die Politik endlich kümmern. Nur die wenigsten Niedersachsen (14 Prozent) meinen, dass die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum bereits den Stellenwert hat, den es verdient. So lauten die Erkenntnisse aus einer aktuellen Studie des Instituts für Demoskopie (IfD) Allensbach im Auftrag der Drei-Quellen-Mediengruppe (3QM).

Foto: weyo

Das IfD Allensbach beobachtet seit September 2020 die Stimmungslage in Niedersachsen. Neben der politischen Grundstimmung nehmen die Umfrageforscher dabei auch relevante Teilbereiche wie etwa Klimaschutz, Wirtschaft oder Wohnen genauer unter die Lupe. Die aktuelle Umfrage, die am morgigen Mittwoch in Hannover ausführlich vorgestellt wird, stützt sich dabei auf 1102 Interviews mit jeweils mehr als 30 Fragen.

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„Die Mieten und die Immobilienpreise sind kräftig nach oben gegangen. Das ist ein Thema, das mittlerweile die Niedersachsen in allen Regionen interessiert – wenn auch mit kleinen Unterschieden“, sagt 3QM-Geschäftsführer Volker Schmidt. 53 Prozent der Bürger bewerten die Mietpreise in ihrer Gegend als zu hoch. Nur jeder Dritte (33 Prozent) findet, dass die Preise angemessen sind. Gerade mal vier Prozent der Befragten sehen die Mieten in ihrer Region als relativ günstig an. Bei den Kritikern der hohen Mietpreise fällt der hohe Anteil derer auf, die bei der Landtagswahl 2022 zu Linkspartei (82,1 Prozent) und AfD (72,5 Prozent) tendieren. Auf Platz 3 folgt die SPD (54,1 Prozent). Bemerkenswert: Den geringsten Anteil an Mietpreis-Kritikern gibt es bei den Grünen-Anhängern. Dort bewerten nur 47,7 Prozent die Mieten als zu hoch.

Grafik: Christian Wilhelm Link

Wähler der Öko-Parteien stehen Mieten am gelassensten gegenüber

Kaltmiete belastet jeden Zweiten: Nach ihrer eigenen Kaltmiete gefragt, stöhnt die Mehrheit der Mieter über die große (39 Prozent) oder sogar sehr große Belastung (16 Prozent) durch den Mietzins. 38 Prozent der Befragten geben an, dass für sie die Kaltmiete eine „weniger große Belastung“ darstellt. Fünf Prozent zahlen ihre Miete sogar mit Leichtigkeit. Auch hier fallen wieder die Wähler der Öko-Partei als diejenigen auf, die dem Thema Miete am gelassensten gegenüberstehen. Nur 44,4 Prozent der Grünen-Sympathisanten halten ihre Kaltmiete für eine sehr große oder große Belastung. Knapp hinter den Anhängern von AfD und Linke sind es interessanterweise die FDP-Wähler, die zu 50,6 Prozent und damit am drittmeisten über hohe Mieten klagen.

„Die politische Brisanz wird daran deutlich, dass vier von fünf Befragten erwarten, dass die Politik mehr tun müsse, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“

Volker Schmidt, 3QM-Geschäftsführer

Nebenkosten auf Rekordniveau: Insgesamt 58 Prozent fühlen sich derzeit durch die Nebenkosten stark oder sogar sehr stark belastet. Besserung ist nicht in Sicht. Laut dem Vergleichsportal Verivox liegt der durchschnittliche Strompreis für private Haushalte im Oktober auf einem Allzeithoch bei 31,38 Cent pro Kilowattstunde. „Inwieweit die davon ausgehende Verteuerung der Nebenkosten durch die geplante Absenkung der EEG-Umlage für Mieter und Eigentümer aufgefangen werden kann, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Die politische Brisanz wird daran deutlich, dass vier von fünf Befragten erwarten, dass die Politik mehr tun müsse, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, sagt Schmidt. Verivox-Energieexperte Thorsten Stark bestätigt:  „Wenn von der neuen Bundesregierung keine deutlichen Impulse wie beispielsweise die Abschaffung der EEG-Umlage kommen, werden die deutschen Haushalte weiterhin die weltweit höchsten Strompreise bezahlen.“

Politik muss beim Thema Mieten mehr tun: Das fordern 78 Prozent der Niedersachsen

Mieter rechnen mit Erhöhungen: 61,4 Prozent der niedersächsischen Mieter gehen davon aus, dass ihre Miete in den nächsten Jahren steigen wird. Nur 15,4 Prozent der Befragten glauben das nicht. 22,8 Prozent wagen keine Prognose. Mieterhöhungen befürchten insbesondere die potenziellen SPD-Wähler (68,4 Prozent) sowie die Anhänger von FDP (65,9 Prozent) und CDU (63,1 Prozent). „Der Druck auf die Politik, sich verstärkt mit der Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum auseinanderzusetzen, wird wachsen“, sagen die Meinungsforscher. Laut ihrer Umfrage sind nur 14 Prozent der Ansicht, dass das Thema bislang den Stellenwert hat, den es verdient. 78 Prozent der Niedersachsen meinen, die Politik muss da mehr tun. Insbesondere die Altersgruppe 18 bis 29 Jahre sowie die 45- bis 59-Jährigen sehen hier Handlungsbedarf. Aufgeschlüsselt nach der Wahlabsicht für den niedersächsischen Landtag 2022 bewegt das Thema insbesondere die Anhänger von Linkspartei (96,4 Prozent), AfD (88,1 Prozent) und SPD (86,1 Prozent). Dahinter folgen Grüne (77,4 Prozent), CDU (73,1 Prozent) und FDP (68,9 Prozent).

Das IfD Allensbach weist darauf hin, dass knapp die Hälfte der Niedersachsen zur Miete wohnen. Hier gebe es große Altersunterschiede: Bei den unter 30-Jährigen ist der Anteil mit zwei Dritteln besonders groß. Bei den 30- bis 59-Jährigen wohnt jeder Zweite zur Miete. Dagegen leben knapp zwei Drittel der Altersgruppe der über 60-Jährigen in einem eigenen Haus oder einer Eigentumswohnung. Laut Umfrage tendieren Eigentümer eher dazu, bei der Landtagswahl 2022 die CDU (64,6 Prozent), FDP (62,7 Prozent) oder SPD (54,5 Prozent) zu wählen. Wer zur Miete wohnt, möchte sein Kreuzchen eher bei Grüne (53 Prozent), AfD (67,7 Prozent) oder Linkspartei (70,4 Prozent) machen.