Gunnar Groebler, CEO der Salzgitter AG, wundert sich über die widersprüchliche Energiepolitik der Bundesregierung. Zwar habe der deutsche Staat die Elektrifizierung der Stahlherstellung bei Salzgitter und ThyssenKrupp mit insgesamt rund 3 Milliarden Euro gefördert. Durch die Ablehnung eines über einige Jahre befristeten Transformationsstrompreises für die energieintensive Industrie werde nun aber genau diese Investition wieder gefährdet.

„Wir sind gerade in einer Zeit, in der sich die Stromwirtschaft transferiert – und wir auch. Das ist eine Phase, in der wir vulnerabel sind, deswegen macht es Sinn, die Industrie abzusichern und Planbarkeit zu gewährleisten. Ich bin ein klarer Verfechter eines Brückenstrompreises“, sagte Groebler im Gespräch mit dem Politikjournal Rundblick bei einem Energiegipfel von Tennet in Lehrte (Region Hannover).
Bei der Stahlherstellung mithilfe von Direktreduktionsanlagen, Wasserstoff-Elektrolyseuren und Elektrolichtbogenöfen werde der CO2-Ausstoß zwar um bis zu 95 Prozent reduziert – dieses Verfahren dürfe im Vergleich zur Hochofenroute aber nicht zu teuer werden. Beim Tochterunternehmen Peiner Träger, wo die Produktion bereits elektrifiziert ist, habe wegen der hohen Strompreise im vergangenen Jahr mehrfach der Betrieb pausieren müssen. Das sei zwar aktuell kein Thema, stellt aber weiterhin ein Drohszenario dar. „Der Strompreis ist ein erheblicher Teil meiner wirtschaftlichen Gleichung“, betonte Groebler. Die Kunden seien zwar bereit, für jede Tonne „grünen Stahl“ (Durchschnittspreis für Basisgüte etwa 650 bis 670 Euro) einen dreistelligen Euro-Betrag mehr zu bezahlen. „Das alleine deckt aber nicht die Transformationskosten“, sagte der Konzernchef.
Zudem kritisierte der Salzgitter-CEO die kürzlich vollzogene Versteigerung von Lizenzen für Offshore-Windparks, bei der internationale Ölriesen für insgesamt 12,6 Milliarden Euro den Zuschlag erhalten haben. „Wenn wir in einen Bieterwettkampf gehen, dann werden diese Kosten im Strompreis landen. Das hilft der Industrie nicht, das hilft dem Wirtschaftsstandort nicht“, so Groebler.


