11. Mai 2017
Wirtschaft

Mittelstand: Mehr Jobs, aber weniger Azubis

Für die niedersächsische Landesregierung gehört die Sicherung von Fachkräften zu den größten Herausforderungen für den Mittelstand in den kommenden Jahren. Das betonten Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies bei der Vorstellung des neuen Mittelstandsberichts. Mittelstand und Handwerk haben in Niedersachsen von 2010 bis 2015 insgesamt 180.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Zahl der Auszubildenden ging im selben Zeitraum allerdings rund 11 Prozent zurück. https://soundcloud.com/user-385595761/immer-weniger-azubis-bereiten-olaf-lies-sorgen Gerade die kleinen und mittleren Betriebe bereiten Lies dabei Sorgen, denn dort werden über drei Viertel aller Azubis ausgebildet. „Die kleineren Betriebe sichern damit auch im starken Maße den Nachwuchs in den großen Industriebetrieben.“ Schon heute werde man sich stark um genügend Nachwuchs kümmern müssen, sagte Lies. „Im Jahr 2040 werden wir in Niedersachsen 800.000 Menschen weniger im erwerbsfähigen Alter haben. Wir können es uns deshalb nicht erlauben, auf der Strecke Leute zu verlieren.“ Weil plädierte angesichts steigender Abiturienten- und Studentenzahlen dafür, Gymnasien und Ausbildungswirtschaft stärker zusammenzubringen. Die Landesregierung habe der beruflichen Orientierung an allen Schulformen einen ganz anderen Stellenwert gegeben, das betreffe auch die Gymnasien. „Das ist nicht überall auf Gegenliebe gestoßen. Der Philologenverband war der Meinung, Ziel des Gymnasiums sei es, die jungen Leute zur Hochschulreife zu bringen. Das stimmt nicht und das muss auch nicht so sein.“ Es gebe viele Abiturienten, die sich einer berufliche Ausbildung wohlfühlten. Und es gebe viele Studenten, die ihr Studium nicht zu Ende führen. Gerade an den Hochschulen sieht Weil deshalb noch ein großes Potenzial. Die Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen, Susanne Schmitt, schlug im Gespräch mit dem Rundblick vor, zur Bewältigung des Fachkräftemangels ein Ankerfach Berufsorientierung an allen Schulformen einzuführen. Dies nütze vor allem auch den ländlichen Regionen, weil, die kleinen und mittleren Unternehmen gerade dort für neue Arbeitsplätze sorgten. [caption id="attachment_17256" align="aligncenter" width="780"] Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies - Foto: MB.[/caption] Wirtschaftsminister Lies warnte vor einer zu starken Fokussierung auf die Akademisierung von Berufen. „Das Thema Akademisierung hat in den vergangenen Jahren ein zum Teil unangemessenes Maß erreicht. Dadurch hat es auch an Wertschätzung für die duale Ausbildung gemangelt“, kritisierte Lies. Stattdessen müsse deutlich gemacht werden, welche Perspektiven und welch hohes Potenzial in einer dualen Ausbildung liege. „Es gibt mehrere Wege, die eigene Zukunft zu gestalten. Es gibt keine Sackgassen.“ Ein weiterer zentraler Baustein für künftige Erfolge ist für die Landesregierung die digitale Infrastruktur. Nächstes Jahr sollen in punkto Breitband 85 Prozent der Gebäude mit 50 Mbit pro Sekunde ausgestattet sein, sagte Weil. Das sei nicht das Ende der Entwicklung. „Wir sind auf einem guten Weg des ersten Schritts, und diesen Zwischenschritt der Technologie brauchen wir“, ergänzte Lies. Man müsse aufpassen, nicht den zweiten Schritt vor dem ersten zu gehen, denn dann dauere es zu lang. Zugleich gehe es jetzt schon darum, die nächste Schritte in Angriff zu nehmen. Gemeint sind der flächendeckende Glasfaserausbau und der neuen Mobilfunkstandard 5G. Hier hat die Braunschweiger Region einen Vorteil. „Das Testfeld Niedersachsen für autonomes Fahren ist natürlich der erste Bereich, in dem wir die 5G-Anwendung brauchen“, sagte Lies.  
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #89.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning