12. Feb. 2020
Landwirtschaft

Nach Mäusebefall: Land will Grünland wiederherstellen

Rund 150.000 Hektar Grünland sind in Niedersachsen zurzeit von einer schweren Mäuseplage befallen. Wie ein Mitarbeiter des Agrarministeriums in der jüngsten Sitzung des Agrarausschusses des Landtages berichtete, sei in 13 Landkreisen im Norden des Landes kein einziger grüner Grashalm mehr auf den entsprechenden Flächen zu sehen. Wo die Mäuse die Wurzeln des Grases noch nicht in Gänze gefressen haben, kommt nun noch eine zusätzliche Belastung durch die sogenannten Wiesenschnakenlarven hinzu, die sich ebenfalls von den Graswurzeln ernähren. Dadurch wird die Futterversorgung für zahlreiche Milchvieh-Betriebe im Frühjahr gefährdet, sowie der Lebensraum zahlreicher Tiere zerstört.
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Die Bekämpfung der Schädlinge gestaltet sich derweil schwierig, weil zum Beispiel der Einsatz chemischer Substanzen Sondergenehmigungen bedarf. In manchen Fällen wäre das ohnehin mit dem Vogelschutz nicht vereinbar, denn manche Vogelarten ernähren sich von den Larven. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Mäusepopulation bereits von selbst zusammengebrochen ist. Deshalb legt die Landesregierung den Fokus nun auf die Wiederherstellung des Grünlands. Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und Umweltminister Olaf Lies (SPD) haben den betroffenen Landwirten schnelle Hilfen zugesagt. Ziel ist es, die betroffenen Flächen umzupflügen und entsprechende Saat auszubringen. In den Ministerien wächst nun allerdings die Sorge, dass das Saatgut knapp werden könnte. Zumindest bei regional angepassten Saatgut-Mischung bestehe die Gefahr von Engpässen.

Landwirtschaftskammer erstellt Schadenskulisse

Kompliziert wird die Wiederherstellung des Grünlands zudem, weil Grünland durch EU-Recht besonders geschützt ist und deshalb Sondergenehmigungen nötig werden, wenn dieses gepflügt werden soll. Um diesen Prozess nun zu koordinieren, ermittelt zunächst die Landwirtschaftskammer im Auftrag des Landes eine Schadenskulisse. Dabei soll auch berücksichtigt werden, welche der betroffenen Gebiete unter Naturschutz stehen. Im Agrarausschuss nannten die Ministeriumsvertreter bereits Zahlen: Demnach wird davon ausgegangen, dass 85 Prozent der Flächen nicht vom Naturschutz betroffen sind. Hier kann die Landwirtschaftskammer die Aussaat relativ unkompliziert genehmigen. Bei den anderen 15 Prozent werden nun automatisch die unteren Naturschutzbehörden eingeschaltet. Offenbar kam es aber bei der Abstimmung dieser Gebietskulisse in dieser Woche zu Verzögerungen im zeitlichen Ablauf. Zahlreiche E-Mails aus den unteren Naturschutzbehörden sollen nicht im Umweltministerium angekommen sein. Grund dafür waren wohl die erhöhten Sicherheitsstandards für die elektronische Kommunikation, die potenziell schädliche Mail-Anhänge herausfiltert, wie ein Mitarbeiter des Umweltministeriums im Agrarausschuss berichtete.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #029.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter