24. Sept. 2018
Finanzen

Nord/LB-Interessenten sollen bis 8. Oktober ihre Angebote bei der Bank einreichen

Die Planungen für die Eigenkapitalstärkung der Nord/LB gewinnen jetzt an Fahrt. Nach Informationen des Politikjournals Rundblick steht die Landesbank kurz davor, mit bestimmten Interessenten konkrete Verhandlungen über eine Beteiligung an der Bank aufzunehmen. Hinweise der Nachrichtenagentur Reuters, die bisherigen Eigentümer wollten rund ein Drittel des Gesamtbesitzes an der Nord/LB an einen Investor veräußern, wurden intern nicht bestätigt. Wie es heißt, sei dieser Anteil nicht festgelegt – er könne auch höher ausfallen. Der Nord/LB-Aufsichtsratsvorsitzende Reinhold Hilbers, niedersächsischer Finanzminister, hatte wiederholt erklärt, dass die bisherigen Eigentümer mindestens 51 Prozent halten wollten. Größter Eigentümer ist das Land Niedersachsen, gefolgt vom Sparkassenverband Niedersachsens, dem Land Sachsen-Anhalt und den Sparkassenverbänden aus Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Investoren, die sich für einen Einstieg in die Nord/LB interessieren, sollen sich bis 8. Oktober gemeldet haben – unter Angaben ihrer Vorstellungen, wie ein solches Engagement aussehen könnte. Anschließend werden die Rückmeldungen geprüft und die Gremien der Nord/LB, Vorstand und Aufsichtsrat, müssen über die Frage befinden, mit wem sie konkrete Verhandlungen aufnehmen wollen. Bislang war als Investor vor allem private Geldgeber wie Cerberus oder auch Apollo im Gespräch. Wie es jetzt heißt, könnten aber auch die beiden Landesbanken aus Mittel- und Süddeutschland für einen Einstieg in die Nord/LB in Betracht kommen – die Helaba in Wiesbaden und die LBBW in Stuttgart. In den vergangenen Wochen waren Zweifel laut geworden, ob private Investoren angesichts der Hürden, die in der politischen Diskussion aufgerichtet wurden, überhaupt ernsthaftes Interesse haben könnten. Diese Hürden sind vielschichtig: Die Gewerkschaft Verdi warnt vor einem Einstieg von Privaten, und die Braunschweiger Regionalpolitiker betonen, private Investoren dürften in keinem Fall Zugriff auf die in die Nord/LB integrierte Braunschweigische Landessparkasse haben. Spekuliert wird nun über einen isolierten Verkauf der – teilweise belasteten – Schiffskredite. Diese Variante könnte nach sich ziehen, dass die Nord/LB um den Bereich der Schiffsfinanzierungen schrumpft. Wiederholt war bisher über eine Fusion der Nord/LB mit der Helaba, der LBBW oder mit beiden diskutiert worden – ein Modell, das in Hannover sehr vielen politischen Akteuren sehr gelegen käme, weil es die ungeliebten privaten Investoren ausklammern würde. Die „Süddeutsche Zeitung“ hat nun spekuliert, dass die Absicht der bisherigen Nord/LB-Eigentümer, die Mehrheit an der Bank zu behalten, auf andere Landesbanken abstoßend wirken könne und daher die Auswahl privater Investoren wie Cerberus gegenwärtig naheliegender wäre. Dies muss aber nicht so sein. Tatsächlich könnte eine Minderheitsbeteiligung von Helaba oder LBBW an der Nord/LB ein erster Schritt zur mittelfristigen Verflechtung der drei Landesbanken sein. Dies wäre auf Ebene der öffentlich-rechtlichen Banken ein ähnlicher Reformschritt wie der derzeit diskutierte Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank auf der Ebene der privaten Banken. Durch einen kurzfristigen Einstieg der beiden anderen Landesbanken in die Nord/LB würden sich diese gegenseitig „beschnuppern“ und könnten austesten, ob in einem nächsten Schritt tatsächlich eine Fusion denkbar wäre. Das hieße aber auch: Die im Fall einer Fusion spannende und politisch höchst heikle Frage, wo die Zentrale einer vereinigten Nord-Süd-Mitteldeutschen Landesbank wäre, könnte noch um ein paar Jahre aufgeschoben werden – gleichwohl wäre die Eigenkapitalstärkung der Nord/LB vorläufig schon gesichert. Der FDP-Finanzexperte Christian Grascha hat für den morgigen Haushaltsausschuss eine Unterrichtung von Hilbers verlangt. Es könne nicht sein, dass die Nord/LB schon ein Verfahren zur Investorensuche konkret startet, ohne dass er den Landtag über Details seiner Überlegungen unterrichtet habe.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #168.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum