13. Okt. 2026
TagesKolumne

Oh weh, SPD!

Harten Zeiten für die SPD in der Landeshauptstadt. Da ist es angemessen, dass Genossen aus anderen Regionen jetzt die Führung übernehmen.

Es sind gerade keine einfachen Tage für die SPD Hannover. Seit Monaten belasten die Betrugsvorwürfe gegen die frühere Ratsfrau Hülya Iri die Partei. Sie trugen vermutlich ihren Teil dazu bei, dass Axel von der Ohe am Ende doch nicht den Oberbürgermeister-Posten in der Landeshauptstadt zurückerobern durfte. Hilfreich gewesen sein dürften aber auch nicht die Unstimmigkeiten um die frühere SPD-Ratsfraktionschefin Kerstin Klebe-Politze oder die Durchsuchungen bei Steffen Krach, dem bisherigen Regionspräsidenten, der jetzt sein Glück wieder in der Bundeshauptstadt sucht.

Foto: Kleinwächter

In der vergangenen Woche dann schlug Krachs Lehrter Klinikaffäre auch noch auf andere Spitzenpolitiker über. Zuerst hob der Landtag die Immunität des SPD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag auf; Stefan Politze trat daraufhin am Ende einer durchaus spektakulären Sonder-Fraktionssitzung zurück. In der Zwischenzeit war bekannt geworden, dass der Deutsche Bundestag auch die Immunität des hannoverschen SPD-Vorsitzenden Adis Ahmetovic aufgehoben hat. Auch gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft. Es gilt, selbstverständlich, in beiden Fällen die Unschuldsvermutung.

Und als wäre all das nicht genug, sendete Altkanzler Gerhard Schröder am Ende der Woche auch noch Liebesgrüße aus Moskau. Das hannoversche SPD-Urgestein war zum Geburtstag des russischen Diktators gereist – und erweckte auf den Bildern den Eindruck, als hätte er gänzlich vergessen, wie Putin seit Jahren einen erbarmungslosen Drohnenkrieg gegen die Ukraine und inzwischen wohl auch einen hybriden Angriff gegen die Bundesrepublik führt.

Bei all dem Ärger ging zumindest in Hannover beinahe unter, wie ein anderer SPD-Spitzenpolitiker das ehrenvolle Andenken der Sozialdemokratie in der vergangenen Woche auf Hochglanz poliert hat. Boris Pistorius‘ Marsch zum Bebelplatz hat die Seele der Partei gestreichelt und er dürfte damit seinen Platz an der Spitze des SPD-Beliebtheitsrankings vermutlich erfolgreich gegen die aufstrebende „Frau gegen Blau“ verteidigt haben. Die staubigen Lederschuhe auf der umgedrehten Getränkekiste, von Profi-Fotografen gekonnt in Szene gesetzt, sind sofort zur neuen Parteiikone stilisiert worden.

Nun ließe sich einwenden, dass Pistorius zwar seinen Wahlkreis in Hannover hat, eigentlich doch aber Osnabrücker ist. Und so ist es vielleicht folgerichtig, dass die Sozialdemokraten ihr Glück vorerst jenseits der Landeshauptstadt suchen. Zum Beispiel mit Wiard Siebels, der neuen Nummer eins der Landtagsfraktion. Im Rundblick richten wir den Blick heute gleich aus mehreren Gründen an die niedersächsische Nordseeküste – hier sind die Themen, die unsere Aufmerksamkeit geweckt haben:

  • Fischerei: Auf zehn Prozent der küstennahen Meeresfläche soll künftig nicht mehr gefischt werden – so will es die EU. Die rot-grüne Landesregierung hat nun ihre Gebietskulisse vorgestellt.


  • Avacon: Damit die Transformation der Industrie nicht am Stromnetz scheitert: Drewsen Spezialpapiere wagt im Landkreis Celle ein bundesweit einzigartiges Modellprojekt.


  • Jadebay: Zeitenwende an der Jade: Mit Wasserstoff, Hafenwachstum und Wehrcluster setzt die Region um Wilhelmshaven auf Aufschwung. Gelingt der Wandel zum Wirtschaftsmotor für Niedersachsen?


  • SPD-Fraktion: Wiard Siebels soll den Fraktionsvorsitz der SPD übernehmen. Seine Nachfolgerin als Geschäftsführerin wird wohl Silke Lesemann. Die Wahl ist für den 27. Oktober geplant.


  • Personen und Positionen: Michael Fürst, Bernd Deutsch, Gero Hocker, Sebastian Lechner.

Glück auf!

Ihr Niklas Kleinwächter

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #179.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter
Oh weh, SPD! | Rundblick Niedersachsen