Pro & Contra: Klaus Wallbaum (li.) & Martin Brüning[/caption]
PRO: Ein Konjunkturpaket ist sinnvoll und richtig – aber man muss die Anreize richtig setzen und die Gefahren des Strohfeuers möglichst vermeiden. Deshalb ist es auch sinnvoll, innovative Ansätze damit zu verknüpfen, meint Klaus Wallbaum.
Die Wirtschaft beruht in großen Teilen auf der Psychologie. Die besten Förderprogramme und Projekte verfehlen ihre Wirkung, wenn der Rahmen nicht passt – wenn also die Stimmung der Menschen so ist, dass sie die schönsten und günstigsten Waren in den Schaufenstern stehen lassen und nicht haben wollen. Das ist derzeit das Problem: Als Anfang März Wirtschaft und Gesellschaft aus Sorge vor einer Ausbreitung des Corona-Virus heruntergefahren wurden, weckte das bei vielen Menschen Ängste. Die Gewissheit eines Lebens in Wohlstand, Gesundheit und Unverletzlichkeit ging verloren. Die spürbare Kauf- und Konsumzurückhaltung, die nach der Wiedereröffnung vieler Geschäfte erkennbar wurde, kann mit dieser Angst zu tun haben: Sie zögern mit Neuanschaffungen – denn wissen sie überhaupt, wie es ihnen in einem oder in zwei Jahren gehen wird? Vielleicht brauchen sie dann das Geld für wichtigere Dinge. Das absehbare Konjunkturprogramm, das in dieser Woche fertiggestellt wird, dient allein dem Zweck, diese Vorsicht zu bekämpfen – oder sie vielmehr zu zerstreuen. Die Aussicht auf ein Schnäppchen, etwa eine Sonderprämie beim Kauf eines neuen Autos, soll so verlockend sein, dass dies die Zukunftssorgen überragt. Aber kann man so die Angst besiegen? Wohl nicht, man kann sie aber vielleicht verdrängen. Die psychologische Ausgangslage war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im „deutschen Wirtschaftswunder“ in einer Beziehung besser: Der Krieg war vorbei, es konnte nur noch aufwärts gehen. Heutzutage droht eine undefinierbare „zweite Welle“, von der keiner ahnt, wie sie aussehen kann.Lesen Sie auch: Gewerkschaften für bis zu 12.000 Euro Abwrackprämie Meyer-Werft muss schwere See überstehen
Trotzdem hat die Politik keine Chance, als diesen Weg zu gehen. Denn wenn der Optimismus und die Kauflaune sich nicht von alleine durchsetzen, braucht es dafür einen Anschub. Deshalb ist momentan nicht die Frage, ob wir ein Konjunkturpakt benötigen. Die Frage muss vielmehr sein, wie dieses Programm aussieht. Dabei sind nun mehrere Punkte wichtig. Erstens sollte das Programm Innovationen belohnen. Die Bundesrepublik hat einen gewaltigen Nachholbedarf bei der Digitalisierung, trotz gewaltiger Fördersummen kommen die Erneuerungsprozesse, etwa in den Schulen, den Behörden und Universitäten, noch nicht schnell genug voran. Zweitens ist der Klimaschutz wichtig, und das heißt, dass der Kohlendioxidausstoß verringert werden muss – die Umstellung der Fahrzeugproduktion auf E-Autos, die Wärmedämmung in Gebäuden und die Veränderung zu klimafreundlichen Produktionen sind dabei wichtige Wegmarken. Drittens geht es um mehr Sicherheit: Die Corona-Krise hat uns vor Augen geführt, dass bei einer Störung der weltweiten Arbeitsteilung im Handel Engpässe entstehen können – etwa bei der Medikamentenproduktion. Außerdem ist der Katastrophenschutz nicht optimal organisiert, im Gefühl falscher Sicherheit hat der Staat etwa auf den Zivilschutz lange Zeit verzichtet. Hier sind weitere Investitionen nötig. So richtig und sinnvoll es jetzt ist, mit einem Konjunkturprogramm neben der Ankurbelung der Wirtschaft auch diese Schwächen auszugleichen, so sehr muss vor einem ungebremsten Ausgabeverhalten gewarnt werden: Der Staat, der die Geldschatulle öffnet und tüchtig Ausgaben leistet, wird irgendwann das Geld für die Kredite, die jetzt nötig werden, wieder einsammeln müssen. Das kann über Vermögensabgaben gehen, über eine stärkere Besteuerung oder die Kürzung von Ausgaben in bestimmten Bereichen – oder über alles zusammen. Nur wer das jetzt beachtet, wird bei der Verschuldung maßvoll bleiben und das Konjunkturprogramm mit Augenmaß angehen. Deshalb ist es notwendig, parallel zum fröhlichen Geldausgeben auch gründlich zu prüfen, wo der Staat schlanker und effektiver aufgestellt werden kann, welche Einsparungen also denkbar sind. Wer das eine will, darf das andere nicht lassen. Mail an den Autor des Kommentars


