Eine Cannabis-Freigabe würde wie eine Aufforderung klingen: Berauscht Euch, bitte![/caption]
Was das alles mit der Hasch-Debatte zu tun hat? Auf dem ersten Blick nicht viel. Es gibt die Diskussion über die Legalisierung dieser Droge schon lange. Sie flammt alle paar Jahre mal wieder auf, löst kurzzeitig eifrige Debatten aus und bleibt dann meistens folgenlos. Es wäre also unfair, wenn man den neuen Vorstoß der FDP-Landtagsfraktion allein als Ausdruck einer besonderen aktuellen Schräglage der deutschen Gesellschaft bezeichnen würde. Aber trotzdem: Diese Initiative passt einfach nicht in die Zeit. Denn ganz gleich, ob übermäßiger Alkohol-Konsum, zu tiefes Eintauchen in die Computerwelt oder intensiver Hasch-Genuss – zu viele Menschen sind gegenwärtig dabei, sich von der Gesellschaft abzuwenden und in Schein-Realitäten abzuschweifen.
Nun stimmt der Einwand, dass eine ausdrückliche Konsumerlaubnis vermutlich nicht viel am Konsumverhalten ändern wird. Längst nicht entschieden ist auch, dass Cannabis etwa gefährlicher wäre als Alkohol. Natürlich ist es nicht stringent, wenn Alkoholgenuss toleriert wird, Haschkonsum aber nicht. Doch weil Parlamente, die Gesetze beschließen, nicht einfach nur Recht setzen, sondern auch Signale aussenden, wäre eine Cannabis-Legalisierung am Ende doch fatal: Der Staat würde ein Rauschmittel nach Jahren der restriktiven Politik auf einmal für tolerabel erklären – und damit sagen, dass das Sich-Berauschen an sich auf einmal nicht mehr so schlimm sei.
Dabei setzt genau hier der Haupteinwand gegen die Haschisch-Freigabe an: Rauschmittel an sich sind eben nicht nur gesundheitlich gefährlich, sondern auch sozial. Gesundheitlich ist nicht bewiesen, wie die Langzeit-Folgen eines intensiven Cannabis-Konsums sein können. Es gibt unterschiedliche Studien, ihre Aussagekraft ist begrenzt. Sozial ist die gesellschaftliche Abstinenz großer Teile der Bevölkerung ein wachsendes Problem – weil immer mehr Menschen sich zurückziehen, vereinsamen oder sich in kleinen Gruppen abschotten. Dass der Alkoholismus heute womöglich weniger verbreitet ist als vor einigen Jahrzehnten, ist hier kein überzeugendes Gegenargument, denn es gibt neben Alkohol und Hasch heute andere Möglichkeiten als vor 20 Jahren, sich der Gemeinschaft zu entziehen. Das Aufrechterhalten des Cannabis-Verbots führt natürlich nicht zu mehr Miteinander in der Bundesrepublik, dazu sind nun ganz andere Schritte notwendig. Aber eine Cannabis-Freigabe würde wie eine Aufforderung klingen: Berauscht Euch, bitte! Wir brauchen aber nicht mehr, sondern weniger Ablenkung. Wir brauchen eine Politik, die Mut macht für mehr Mitwirkung in Vereinen, Verbänden und Parteien. Der Staat müsste noch deutlicher machen als bisher, dass Drogengenuss der verkehrte Weg ist. Was wir brauchen, ist mehr Hinwendung und weniger Ablenkung.
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