Entweder zügig klare Rahmenbedingungen und Fristen oder Schluss mit der Förderung: So lautet die Empfehlung des niedersächsischen Landesrechnungshofes zum Umgang  mit dem digitalen Hörfunkstandard DAB plus . Es bleibe allerdings festzuhalten, dass es in einem Zeitraum von 20 Jahren bisher nicht gelungen sei, bei den Nutzern eine nennenswerte Ausstattung mit DAB oder DAB plus-Geräten zu erreichen, heißt es im aktuellen Jahresbericht des Rechnungshofes.

Beobachter gehen davon aus, dass seit den 90er Jahren möglicherweise bis zu einer Milliarde Euro in die Technologie gesteckt wurde. Bei den Prüfern in Hildesheim wundert man sich über die Lethargie bei NDR, Staatskanzleien und Landesmedienanstalten. „In den Gesprächen war keine eindeutige Strategie zur Einführung von DAB plus erkennbar“, heißt es.

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Nach wie vor hörten drei Viertel der Nutzer Radio über UKW. Lediglich 14 Prozent hätten ein DAB plus-Gerät im Haushalt. Auch bei der DAB plus-Ausstattung von Autos lägen die Zahlen zwischen 7,5 und 13 Prozent. Die Verbraucher stellten allerdings die entscheidende Schnittstelle dar. Die Technologie müsse die Konsumenten überzeugen. „Eine verordnete UKW-Abschaltung erscheint nicht zweckmäßig, solange für den Hörfunkkonsumenten die Nachteile überwiegen“, so die Rechnungshof-Prüfer.


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Einer dieser Nachteile ist nach wie vor die Verbreitung von DAB plus. Liegt die Reichweite im Außenbereich inzwischen bei 95 Prozent des Bundesgebiets, so sinkt die Reichweite in geschlossenen Räumen auf 80 Prozent. Zudem sei der DAB plus-Empfang nicht in allen Regionen gewährleistet.

Die Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) hatten vor drei Wochen gefordert, kein Geld mehr in den digitalen Hörfunkstandard DAB plus zu investieren. „Wir reden von Digitalisierung, Breitbandausbau und sehen den 5G-Standard in greifbarer Nähe. Warum sollen jetzt Millionen in eine Technologie investiert werden, die morgen schon wieder überholt ist?“, fragte Hauptgeschäftsführer Volker Müller. „Wir müssen aufhören über eine Technologie zu diskutieren, die schon jetzt nicht mehr zeitgemäß ist.