Lesen Sie auch: Auto-Industrie: Kaufprämie, Fonds oder gar keine Hilfe? Der Streit um die Sonntagsöffnungen schwelt weiter
Die Statistiker rechneten aus, dass das Minus etwa der Biermenge entspricht, die bei mehr als 43 Münchner Oktoberfesten getrunken worden wäre. Auch wenn der Absatz in Niedersachsen nicht ganz so stark einbrach, so haben die rund 80 Brauereien im Land dennoch schwere Monate hinter sich. Laut der Sozietät Norddeutscher Brauereiverbände gibt es bei den einzelnen Unternehmen allerdings eklatante Unterschiede. Besonders dramatisch sei der Rückgang bei Haus- und Gasthausbrauereien, deren Kerngeschäft vollkommen zum Erliegen gekommen war. Sie konnten aufgrund von Betriebsschließungen kein Fassbier mehr absetzen. https://soundcloud.com/user-385595761/noch-keine-ruckkehr-in-die-normalitat Hier sei von März bis Juni im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang von durchschnittlich 54 Prozent zu verzeichnen, die Umsätze brachen sogar um 70 Prozent ein. Insgesamt kämpften die Brauereien in Niedersachsen mit Umsatzverlusten von etwa 30 Prozent. Dem Verband zufolge wurde in der Hochzeit der Krise in allen niedersächsischen Brauereien Kurzarbeit eingeführt. Wie viele Betriebe am Ende aber die Kurzarbeit nicht nur angezeigt haben, sondern wirklich in Kurarbeit gingen, lässt sich noch nicht abschließend sagen. Mit den ersten Lockerungsmaßnahmen im Mai war dem Verband zufolge zwar eine leichte Verbesserung der Lage zu spüren, der Veranstaltungsbereich liege allerdings immer noch brach.
Knapp 520.000 Euro als Soforthilfe
Die Krise der Branche führte dazu, dass rund die Hälfte der niedersächsischen Brauereien Anträge auf finanzielle Hilfen abgab. Laut Wirtschaftsministerium gingen bis Ende Juli 63 Anträge von 41 Brauereien ein. Bis Anfang September flossen knapp 520.000 Euro als Soforthilfe und 280.000 Euro als Kredit, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken. In ihrer Anfrage will die AfD wissen, ob das Land sich eine Aussetzung oder Rückerstattung der Biersteuer einsetze, um die Betriebe damit zusätzlich zu unterstützten. Das Land verweist darauf, dass es im Zuge der Corona-Krise bereits zahlreiche Erleichterungen gab, die auch die Biersteuer beträfen. So gebe es Möglichkeiten der Stundung, bei Nachforderungen sollen keine zu hohen Anforderungen gestellt werden. „Pläne für weitergehende biersteuerliche Erleichterungen seien der Landesregierung nicht bekannt“, heißt es in der Antwort. Die Steuer dürfe auch nicht einzeln betrachtet werden, weil allen Unternehmen in der Krise möglichst einheitlich geholfen werden müsse. Hinzu käme, dass die Belastung bei solchen Steuerarten bei sinkendem Absatz ohnehin geringer werde.
Derweil ist ein schnelle Erholung der Branche in Niedersachsen noch nicht in Sicht. Aufgrund der Infektionslage hatte die Landesregierung beschlossen, zum Beispiel Kongresse bis Ende September zu untersagen, auch Feiern sind immer noch stark reglementiert. Parteitage fallen aus, und damit auch die sogenannten „bunten Abende“, die dem Bierabsatz in den vergangenen Jahren immer zuträglich waren. Die Absatzmöglichkeiten für Bier bleiben also auch zumindest in den kommenden Wochen geringer als es vor Beginn der Krise der Fall war.

