Prof. Rainer Blasczyk, Transplantationsexperte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und Unternehmer, fordert neue Zuständigkeiten bei der Genehmigung von Tierversuchen in Niedersachsen. „Ich finde, dass dieser Bereich zum Wissenschaftsministerium gehören müsste“, sagte Blasczyk beim ersten „Niedersächsischen Innovationsdialog“ der Volkswagen-Stiftung am Dienstag. Der MHH-Institutsleiter forscht derzeit an Killerzellen gegen Organabstoßungen und hat mit seinem Startup „Allogenetics“ eine Art „Tarnkappe“ für gespendete Organe entwickelt, wofür er 2022 mit dem Durchstarter-Preis des Landes Niedersachsen ausgezeichnet wurde.
Wenn es um die Genehmigung von Tierversuchen gehe, sei Niedersachsen und insbesondere das Agrarministerium von Miriam Staudte (Grüne) jedoch überhaupt nicht Startup-freundlich. „In Dänemark hat der Antrag fünf Seiten und ist in 30 Tagen genehmigt, in Niedersachsen sind es 100 Seiten und die Bearbeitung dauert 13 Monate“, berichtete Blasczyk aus seiner Forschungspraxis. Zuvor hatten bereits andere Mediziner darauf hingewiesen, dass ohne Tierversuche keine wissenschaftlichen Studien und damit keine Innovationen möglich sind.

„Tierversuche sind auch weiterhin für unsere Wissenschaft an verschiedenen Stellen notwendig. Beim Thema ‚Tierversuche‘ sind wir in einer robusten Diskussion“, sagte Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD). „Wir neigen dazu, Themen, die wir nicht so schön finden, woanders hinzugeben und dann denken wir, die wären weg“, ergänzte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) und stellte sich hinter seinen Kabinettskollegen. Die beiden SPD-Politiker waren sich darin einig, dass weitere Einschränkungen in Niedersachsen nur dazu führen, dass Tierversuche unter möglicherweise schlechteren Bedingungen an anderen Standorten stattfinden. Die Forderung nach einem Zuständigkeitswechsel kommentierten Mohrs und Lies nicht. Allgemeine Zustimmung fand der Vorschlag, beim nächsten Innovationsdialog auch das Agrarministerium mit einzubinden.



