Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) erwartet für die Zukunft eine intensivere Auswertung der Daten, die in den Gesundheitsämtern über die Corona-Erkrankungen erfasst werden. „Derzeit erfragen wir mehr Daten, als später tatsächlich ausgewertet werden – es geht derzeit um Geschlecht, Alter und Form der Erkrankung“, erklärte Behrens im Corona-Sonderausschuss des Landtags. Sie fügte hinzu, dass auch Angaben über Berufsgruppen oder Arbeitszusammenhänge analysiert werden sollten, denn daraus ließen sich womöglich auch Ansteckungswege nachverfolgen.
„Gegenwärtig erfragen wir viel mehr Daten, als später tatsächlich verarbeitet werden“, fügte die Ministerin hinzu. Auch das Robert-Koch-Institut halte sich „bei der Analyse stark zurück“. Von mehreren Seiten wurde Behrens ermuntert, bei der Auswertung von Patientendaten nicht zu vorsichtig zu sein. „Wenn denn die Bedenken des Datenschutzes so stark sind, dann muss man eben mit anonymisierten Daten arbeiten“, sagte der FDP-Abgeordnete Christian Grascha. Auch Wiard Siebels (SPD) und Volker Meyer (CDU) forderten, die technische Ausstattung der Gesundheitsämter zu verbessern, eine schnellere Kontakt-Nachverfolgung zu ermöglichen und die vorhandenen Daten besser zu interpretieren.
Sormas-System: Behrens betonte, bis Ende 2022 solle eine gemeinsame Plattform für alle Gesundheitsämter in Deutschland geschaffen sein – sodass dann die Vernetzung dieser Behörden reibungslos möglich sei. Das System Sormas, das von der Landesregierung unterstützt wird, ist bereits in der Hälfte der 43 niedersächsischen Gesundheitsämter eingeführt – im anderen Teil noch nicht. Der Grund sei, dass viele Behörden kurz vor dem Corona-Ausbruch damit befasst gewesen seien, eigene System aufzubauen und zu entwickeln. Sie hoffe nun, betonte Behrens, dass noch mehr Gesundheitsämter in den Landkreisen an Sormas teilnehmen. „Es ist eine Erfahrung aus der Pandemie, dass wir dringend einen digital vernetzten Gesundheitsdienst in Deutschland haben sollten“, betonte die Ministerin. Entscheidend seien die Schnittstellen der Systeme: Sollte sich ein Landkreis entscheiden, in seinem Gebiet anstelle von Sormas ein anderes Modell anzuwenden, müsse die Übertragbarkeit und Vernetzung mit den Sormas-Gebieten sichergestellt sein.

Häusliche Gewalt nimmt zu: Behrens berichtete über die Zahlen der häuslichen Gewalt, die im Corona-Jahr 2020 erheblich zugenommen habe. 21.000 Opfer habe man gezählt, 1300 mehr als im Vorjahr. 29 Menschen seien zu Tode gekommen, davon 24 Frauen, das bedeute einen Anstieg von 6,6 Prozent. Das Landeskriminalamt versuche derzeit, in einer repräsentativen Befragung von 40.000 Menschen Licht in das Dunkelfeld der häuslichen Gewalt zu bekommen. Die 43 Frauenhäuser in Niedersachsen hätten im Schnitt je Haus etwa zehn bis 15 freie Plätze – das Problem sei nur, dass viele Frauen, die unter der Gewalt ihrer Männer litten, oft zu spät den Mut zum Absprung hätten.
Mehr Freiheiten in Altenheimen? Sowohl Helge Limburg (Grüne) also auch Volker Meyer (CDU) regten an, in Altenheimen mehr Treffen und gesellige Runden zuzulassen, da dort fast alle Bewohner schon gegen Corona geimpft seien. Behrens riet allerdings zur Vorsicht: Im Unterschied zu den Kliniken, in denen sich der ganz überwiegende Teil der Pfleger und Ärzte haben impfen lassen, sei die Resonanz beim Personal der Heime bescheiden – dort hätten im Schnitt 40 Prozent der Mitarbeiter keine Corona-Impfung. Viele deshalb, weil sie das abgelehnt haben. „Unter diesen Voraussetzungen ist es nicht einfach möglich, die Kontaktbeschränkungen in Altersheimen zu lockern“, betonte Behrens.


