Und dann ging alles wieder ganz schnell. Vor 14 Tagen war der Wahlakt zum nachbarschaftlichen Gemeinschaftsereignis geworden. Aber nicht mehr so bei der Stichwahl. Weniger Andrang, weniger Zettel, weniger Kandidaten, weniger Kreuze. Stiefwahl quasi. Entsprechend zügig lief dann auch die Auszählung. Mussten in der Nacht der Kommunalwahl am 13. September noch zahlreiche Taxigutscheine an ehrenamtliche Wahlhelfer ausgegeben werden, damit diese nachts um 4 Uhr sicher nach Hause kamen, standen die Sieger diesmal sogar noch vor der Tagesschau sicher fest.
Im Neuen Rathaus von Hannover trat an diesem Sonntagabend erneut Belit Onay (Grüne) auf die große Freitreppe unterhalb der grünen Kuppel. Der Jubel war riesig. Am Fuße der Treppe standen Journalisten, Kameraleute und Influencer, richteten Mikrophone und Objektive auf den alten wie neuen Oberbürgermeister. Und doch fehlte da etwas. Vor sieben Jahren, als Onay das erste Mal gewählt wurde, war dieser Moment anders.

Damals geschah etwas, das viele Anwesende auch heute noch in sehr guter Erinnerung haben. Als Onay als Sieger feststand und er sich bei den Menschen dieser Stadt für die Unterstützung und den Zuspruch bedankte, holte er noch jemand anderen zu sich ins Scheinwerferlicht: den unterlegenen Mitbewerber Eckhard („Ecki“) Scholz von der CDU. Onay und Scholz haben damals einen in der Sache harten aber im Stil sehr freundschaftlichen Wahlkampf geführt. Ich glaube, das haben in diesem Jahr viele vermisst.
Die SPD blieb an diesem Sonntag im Neuen Rathaus von Hannover eine Leerstelle. Sie wollten das Rathaus unbedingt „zurückerobern“. Nun haben sie es vorzeitig aufgegeben. SPD-Kandidat Axel von der Ohe hat es nicht geschafft – und war auch nicht vor Ort, um dem Siegreichen zu gratulieren. Ins Rathaus zieht ihn nach der Niederlage nun wohl nichts mehr. Zurück auf Platz zwei wolle er nicht, so soll er es angekündigt haben. Das Arbeitsverhältnis mit dem neuen alten Chef dürfte auch einigermaßen zerrüttet sein. Zuletzt bezeichneten manche seine Performance im Dezernentenkollegium als Arbeitsverweigerung, andere gar als aktive Blockade.
Von der Ohe versprach in den letzten Tagen des Stichwahlkampfs, Hannover werde wieder funktionieren. Jetzt ist es an Onay, dafür zu sorgen. Ob er dabei in Zukunft wieder die SPD an seiner Seite sehen möchte?
Im Politikjournal Rundblick haben wir heute wieder die wichtigsten Ereignisse des Wochenendes für Sie zusammengefasst:
Starten Sie gut in die neue Woche!
Ihr Niklas Kleinwächter


