27. Juni 2017
Wirtschaft

Strafzölle in den USA könnten neue EU-Zölle nach sich ziehen

Der neue Protektionismus in den USA könnte auch in Europa zu neuen Zöllen führen. Das wurde beim zweiten Stahlgipfel in Hannover deutlich. Daran hatten Vertreter aus Politik, Stahlindustrie und Gewerkschaften teilgenommen. Heinz Jörg Fuhrmann, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG, warnte vor den Folgen US-amerikanischer Strafzölle. „Mit den Handelsströmen von Waren ist es wie mit dem Wasser. Die USA haben vor, ihren Damm, erheblich zu erhöhen. Dann werden sich die Stahl-Ströme von der Türkei über Südkorea, die Ukraine und Indien in die EU ergießen. Das kann nicht in unserem Sinne sein und ist auch nicht vereinbar mit einem fairen Handel“, erklärte Fuhrmann. Im Zweifelsfall brauche man dann neue Zölle gegen Importeure, die bisher nicht damit belegt worden seien. Auch der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, forderte, die EU-Kommission müsse ihre Handelsschutzinstrumente im Sinne der Industrie anwenden. https://soundcloud.com/user-385595761/stahlgipfel-in-niedersachsen-drohen-neue-zolle-in-der-eu Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies ist davon überzeugt, dass Deutschland und Europa auf einen Handelsstreit mit den USA zusteuern. „Wir müssen uns energisch gegen die Pläne Washingtons wehren, gegen Stahlimporte vorzugehen“, sagte Lies. In Richtung der USA sei eine klare Botschaft aus Deutschland und Europa nötig. „Es darf keinen Protektionismus geben, sondern wir brauchen fairen Handel“, sagte Lies. [caption id="attachment_18185" align="aligncenter" width="780"] Rund 30 Teilnehmer kamen zum Stahlgipfel nach Hannover - Foto: MB.[/caption] Ein weiteres Thema des Stahlgipfels war der europäische Emissionshandel, der der Stahlindustrie, aber auch anderen energieintensiven Industrien, Sorgen bereitet. Die EU-Kommission zeige in dieser Frage nur wenig Verständnis für die industrielle Wirklichkeit im Land, monierte Kerkhoff. Lies forderte, dass die Zahl der verfügbaren freien Zertifikate für die Industrie erhöht wird. „Es darf nicht dazu kommen, dass wir die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Stahlindustrie einschränken. Damit würden wir nur Produktion in andere Länder verlagern und den CO2-Ausstoß damit weltweit erhöhen“, so der Wirtschaftsminister. In Niedersachsen arbeiten etwa 10.000 Beschäftigte in der Stahlindustrie. Sie stellen jedes Jahr rund 7,2 Millionen Tonnen Rohstahl her, das ist nahezu ein Fünftel der Stahlproduktion in Deutschland.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #120.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum