Der Strandkorb muss weg. Philipp Amthor (CDU), Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit, muss sein privates Möbel wieder mit nach Hause nehmen. Der Abgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern hatte die Sitzgelegenheit auf seinem Balkon im Bundeskanzleramt aufstellen lassen. Die Öffentlichkeit konnte diesem Akt in der vielbesprochenen ZDF-Doku „Inside CDU“ beiwohnen. Doch Missgunst ist der Welten Lohn. Wer im Strandkorb sitzt, sollte eben nicht mit Rentenkürzungen um sich werfen. Ist dem Wutbürger doch egal, ob er das alles selbst bezahlt hat oder nicht.

Strandkörbe für alle, drunter machen wir es nicht mehr in dieser Republik! Im Arbeitsministerium, so munkelt man, wird schon geprüft, ob es eine Strandkorb-Garantie ab dem 30. Lebensjahr geben kann, eventuell gekoppelt an die Lebenserwartung. Im Finanzministerium, heißt es, bereiten sie eine Strandkorb-Prämie vor, die in Form von Strandkorb-Gutscheinen ausgezahlt werden soll. Nur die Strandkorb-Industrie meldet Bedenken an. Das können wir nicht leisten, schreiben sie in einem Brandbrief an den Bundeskanzler. Diese Politik lässt am Ende bloß die Strandkorb-Preise explodieren! Der Strandkorb, es geht nicht anders, er muss weg.
Hand aufs Herz, liebe Rundblick-Leserschaft landauf, landab: Sitzen Sie wirklich gerne in einem Strandkorb? Ich fragte das auch in meiner Redaktion, als uns die Amthor-holt-den-Strandkorb-rein-Meldung erreichte. Dem einen Kollegen, so seine Antwort, ist das Korbgeflecht in aller Regel viel zu klein. Die andere Kollegin, so ihre Antwort, sei mit einem recht alten Modell schon einmal unsanft zusammengebrochen. Ich selbst befürchte stets, unter der Haube Beklemmungen oder am Fußkasten Einklemmungen zu bekommen. Zudem gruselt mich die Idee, Spinnentiere könnten zwischen den Polstern oder unter der Markise herauskrabbeln und mich heimtückisch angreifen, während ich nichtsahnend so dasitze und aufs Meer schaue.
Ich wage eine Steile These, die mal ein hervorragendes Diskussionsthema in unserer Rubrik „Pro und Contra“ abgeben würde: Strandkörbe sind vollkommen überschätzt! Sie sind nicht wirklich bequem oder gemütlich, nehmen aber unheimlich viel Platz weg und sind furchtbar unhandlich. (Deshalb steht auf unserem Rundblick-Balkon auch immer noch keiner – Frechheit!) Strandkörbe sind schon lange nicht mehr zum Darin-Sitzen da. Sie dienen allein als Fotomotiv für unkreative Urlauber (wie mich) und vielleicht noch als Lehne für rückenleidende Bücherwürmer im Sand (wie mich) – und neuerdings eben auch als Projektionsfläche für alle Pöbeleiliebhaber da draußen, die einem Staatsminister aus MV nicht gönnen, dass er einen Strandkorb auf eigene Kosten an seinen Arbeitsplatz verfrachten lässt.
Strandkorb-frei geht’s jetzt weiter. Unsere Themen im heutigen Rundblick sind diese:
Lehnen Sie sich zurück in Ihrem ergonomisch perfekt austarierten Bürostuhl und pfeifen Sie auf die Strandkörbe der anderen…
Ihr Niklas Kleinwächter


