8. Okt. 2026
NotizWirtschaft

Streit um mehr Flexibilität im Metall-Tarif

Niedersachsenmetall will den Flächentarif stärker für schwache Betriebe öffnen. Die IG Metall hält dagegen: Gute Unternehmen müssten sich höhere Entgelte leisten können.

Die beiden Verhandlungsführer Thorsten Gröger (links) und Mladen Petkovic sind in der ersten Tarifrunde nicht einig geworden. | Foto: Heiko Stumpe

Die Arbeitgeber der niedersächsischen Metall- und Elektroindustrie wollen in der aktuellen Tarifrunde mehr Spielraum für angeschlagene Unternehmen durchsetzen. Zum Verhandlungsauftakt in Langenhagen (Region Hannover) wies Niedersachsenmetall die Forderung der IG Metall nach fünf Prozent mehr Entgelt bei zwölf Monaten Laufzeit zurück und legte selbst noch kein Angebot vor. Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt begründete den Kurs mit der schwierigen Lage des Industriestandorts: „Wir erleben einen fortgesetzten Verlust industrieller Substanz. Deshalb muss diese Tarifrunde vor allem eines im Blick behalten: Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und Beschäftigung am Standort.“ Die Produktion der Metall- und Elektroindustrie liege rund 15 Prozent unter dem Niveau von 2018, bundesweit seien seitdem fast 350.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Schmidt warnte zugleich davor, bessere Auftragseingänge bereits als Trendwende zu lesen: „Entscheidend ist nicht nur, ob Aufträge eingehen, sondern wo daraus Produktion, Wertschöpfung und Arbeitsplätze entstehen.“ Tarifkommissionschef Mladen Petkovic, Personalchef von Robert Bosch in Hildesheim, verwies auf die großen Unterschiede zwischen den Betrieben: Rund jedes vierte Unternehmen rechne in diesem Jahr mit Verlusten, bei einem weiteren guten Fünftel liege die Rendite nur zwischen null und zwei Prozent. „Ein Flächentarifvertrag muss verlässlich sein, aber zugleich genügend Spielraum bieten, um auf sehr unterschiedliche wirtschaftliche Situationen reagieren zu können“, sagte Petkovic.

Für die IG Metall rechtfertigt die Krise einzelner Unternehmen indes keinen Verzicht für die gesamte Branche. „Wo Betriebe tatsächlich unter Druck stehen, bedarf es belastbarer Konzepte für Investitionen und Beschäftigungssicherung. Wo Unternehmen erfolgreich wirtschaften, gebührt denjenigen ein angemessener Anteil, die diesen Erfolg erarbeiten“, argumentierte die Gewerkschaft. Manche Unternehmen kämpften zwar mit schwacher Nachfrage und hohem Investitionsbedarf, andere seien jedoch gut ausgelastet und hätten wirtschaftliche Spielräume. Zugleich verweist die IG Metall auf die weiterhin hohen Lebenshaltungskosten und darauf, dass die Beschäftigten in den vergangenen Jahren erhebliche Veränderungen mitgetragen hätten. „Wer eine Forderung verwirft, schuldet eine Antwort darauf, wie er den berechtigten Erwartungen der Beschäftigten gerecht werden will“, sagte Chefverhandler Thorsten Gröger. Bis zum 31. Oktober gilt die Friedenspflicht, ab November sind Warnstreiks möglich. Im Vergleich zum schärferen Ton im laufenden Tarifstreit bei Volkswagen zeigte sich Gröger jedoch auffallend zurückhaltend: „Uns ist an einem tragfähigen Ergebnis gelegen, eine Eskalation streben wir nicht an.“ Bis zur zweiten Verhandlungsrunde am 27. Oktober erwartet er dennoch ein Angebot der Arbeitgeberseite.

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #177.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link
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