19. Okt. 2026
TagesKolumne

Und es hat Wusch! gemacht

Ein fliegendes Auto mit Raketendüsen: Elon Musk verspricht für 250.000 Euro Reservierungsgebühr die ultimative Lösung gegen den Stau. Wo ist der Haken?

Da fährt man morgens um kurz vor acht in der 30er-Zone vor der Grundschule, im Radio dudelt leise der Lokal-Funk und plötzlich rennt die kleine Emma auf die Fahrbahn, weil auf der anderen Straßenseite ein virtuelles Pokémon aufgetaucht ist. Früher bedeutete das: Vollbremsung, quietschende Reifen und einen plötzlichen Adrenalinschub für alle Beteiligten.

Im neuen Tesla-Roadster reicht dagegen ein Druck auf den roten Knopf am Lenkrad und: Zisch! Wusch! Rums! Dank eingebauter Kaltgastriebwerke schießt das Auto im Steilwinkel gen Himmel, zieht mit achtzig Sachen eine saubere Seitenrolle wie einst Tom Cruise in „Top Gun“ über die Köpfe der staunenden Erstklässler hinweg und landet zielgenau 300 Meter weiter auf dem Lehrerparkplatz. Die Schulleiterin klatscht begeistert Beifall, der Hausmeister schwenkt ein Fähnchen und die umstehenden Eltern sind nicht einmal wütend darüber, dass der Abgasstrahl der Pressluftdüsen den Sandkasten leergewirbelt hat. Fortschritt verlangt eben kleine Opfer.

Bei der Vorstellung des neuen Tesla Roadster in Texas hebt der Sportwagen mit Hilfe von Kaltgastriebwerken ab. Tesla-Chef Elon Musk kündigte den Produktionsstart für 2028 an. | Foto: Tesla, Livestream auf X

Elon Musk hat mal wieder allen gezeigt, worauf es beim Autofahren wirklich ankommt. Jahrelang haben uns Automobilkonzerne mit Kinkerlitzchen abgespeist: Assistenzsysteme, Spurhaltekorrektur, automatischer Notbremsassistent. Wie durchschnittlich. Warum langweilig anhalten, wenn man das Hindernis auch einfach im hohen Bogen überspringen kann? Das ist Fahrsicherheit made in USA.

Dass Tesla im Kleingedruckten erwähnt, dass der Flugmodus im öffentlichen Straßenverkehr nicht zugelassen ist, sollte man dabei nicht allzu hoch hängen. Wo kämen wir denn da hin, wenn man sich von der Straßenverkehrsordnung oder der Kraftfahrzeug-Versicherung vorschreiben ließe, wo man mit seinem Auto fliegen darf und wo nicht? Schließlich ist der Spaß nicht billig. Wer sich einen Roadster mit Raketendüsen sichern will, muss schon für die Reservierung 250.000 Dollar auf den Tisch legen.

Wenn demnächst also beim Linksabbiegen die Fahrspur blockiert ist: Nicht hupen. Einfach kurz abheben. Und bitte vergessen Sie nicht, beim Überfliegen der Warteschlange freundlich zuzuwinken.

Düsen wir aber nun zur heutigen Rundblick-Ausgabe. Wir berichten dort über folgende Themen:

  • Wahllisten-Trickserei: Wie weit darf die Zusammenarbeit von SPD und CDU gehen? Es gibt Grenzen bei der Listenaufstellung, betont der Landeswahlleiter. Ein Fall im Kreis Diepholz sorgt für Aufregung.


  • Braune Schatten: Sollten Sporthallen und Straßen den Namen von Sportfunktionären, die vor 1945 in der NSDAP waren, verlieren? Der Landessportbund legt eine Untersuchung vor, hält sich aber zurück.


  • Vom Obststand in den Landtag: Buchhändlerin, Autorin, Obstverkäuferin – und jetzt Landtagsabgeordnete: Ein Leben wie aus einem Roman, oder? "So idyllisch ist das nicht", sagt die SPD-Politikerin aus Winsen (Luhe).


  • Personen & Positionen: Jürgen Krogmann, Christian Bärwind und Carina Hermann.

Allzeit genug Schub unter den Rädern wünscht
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #183.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link
Und es hat Wusch! gemacht | Rundblick Niedersachsen