Verbraucherzentrale finanziert sich immer stärker über Projekte
Bei der Finanzierung der Verbraucherzentrale in Niedersachsen spielt die Projektförderung eine immer größere Rolle. Das geht aus der Bilanz des vergangenen Jahres hervor. Geschäftsführerin Petra Kristandt sagte, die Projektförderung habe inzwischen die institutionelle Förderung wieder überholt. Sie hatte 2013 noch deutlich unter der institutionellen Förderung des Landes von 1,5 Millionen Euro im Jahr gelegen. Seit 2014 geht die Kurve aber beständig steil nach oben. Fast 2,1 Millionen Euro nahm die Verbraucherzentrale im vergangenen über die Förderung von Projekten ein. „Wir würden uns wünschen, dass man uns institutionell so gut ausstattet, das man zum Beispiel auch Tarifsteigerungen immer wieder ausgleichen kann. Das ist im Moment aber leider nicht so“, bedauerte Kristandt. „Projekte sind natürlich bei den jeweiligen Landesregierungen sehr beliebt. Sie kann man schließlich nur für eine begrenzte Dauer anbieten. Wenn dann die Landesregierung wechselt, lässt sich immer schlank sagen: Jetzt seht mal zu.“ Das sei das Schicksal der Verbraucherzentralen, allerdings auch in allen anderen Bundesländern.
1000 Videoanfragen in drei Monaten
Eines der Projekte ist die neue Videoberatung, die die Verbraucherzentrale seit Dezember vergangenen Jahres anbietet. In den ersten drei Monaten habe es 1000 Videoanfragen gegeben. Mit dem neuen Service will man Kristandt zufolge vor allem Verbraucher im ländlichen Raum erreichen, zumal in den vergangenen Jahren zahlreiche Beratungsstellen geschlossen worden seien, zum Beispiel in Osterode oder in Emden. Im Jahr 2010 habe es landesweit noch 20 Beratungsstellen gegeben, jetzt sind es noch elf. Inzwischen biete man auch an, Termine online zu vereinbaren. Jede dritte der insgesamt 76.000 Beratungen im vergangenen Jahr sei online vereinbart worden.
https://soundcloud.com/user-385595761/verbraucherzentrale-warnt-vor-dreisten-schlusselnotdiensten
Mehr Beratungsbedarf stellt die Verbraucherzentrale unter anderem im Zusammenhang mit Telekommunikationsanbietern fest. Ein Viertel der Anfragen habe Internet- und Telefonverträge betroffen, so Kristandt. Es sei nach wie vor schwer für Kunden, ihre Rechte gegenüber den Unternehmen durchzusetzen, egal, ob es dabei um untergeschobene Verträge oder strittige Rechnungen gehe. Beratungen in Mobilfunk-Shops seien häufig nicht zum Wohle des Kunden, stellt die Verbraucherzentrale fest. Sie fordert Mobilfunkanbieter auf, Qualitätskontrollen zu etablieren. Verbraucher sollten ihre Verträge nicht spontan unterschreiben, sondern immer erst in Ruhe zu Hause prüfen. Von „kriminellen Vereinigungen“ sprechen Vertreter der Verbraucherzentralen in Bezug auf manche Schlüsselnotdienste. Hierzu sind allein in diesem Jahr schon 140 Beschwerden eingegangen. „Das ist ein großes Ärgernis und pure Abzocke“, meint Kristandt. Sie rät Verbrauchern, im Notfall nicht unbedingt beim ersten Google-Treffer anzurufen. Die Verbraucherschützer appellieren an Google, keine Werbung mehr an unseriöse Schlüsseldienste zu verkaufen. Eine jeweils aktuelle Liste mit seriösen Anbietern, nach der man sich orientieren könne, gebe es beim Landeskriminalamt. Zudem sollten die Strafverfolgungsbehörden härter gegen unseriöse Schlüsselnotdienste vorgehen. Ist man bereits an Abzocker geraten, rät die Verbraucherzentrale, bei überhöhten Forderungen die Polizei zu rufen. Sei die Rechnung erst einmal bezahlt, sei das Geld zumeist verloren. Bei seriösen Anbietern koste eine Türnotöffnung in Niedersachsen an Werktagen im Durchschnitt etwa 70 Euro, nachts und an Sonn- und Feiertagen 111 Euro.
Vorsitzende bestätigt
Bei der Mitgliederversammlung der Verbraucherzentralen wurde der Vorsitzende im Amt bestätigt. Es bleibt Randolph Fries, Geschäftsführer des niedersächsischen Mieterbundes. Auch der stellvertretende Vorsitzende, Ulrich Gransee vom Deutschen Gewerkschaftsbund, bleibt weiterhin im Amt.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #121.