6. Okt. 2015
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VW-Abgasaffäre bringt vieles ins Wanken

(rb) Wolfsburg/Hannover. Der Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Diesel-Fahrzeugen aus der Volkswagenflotte dreht sich weiter: Am Wochenende meldete die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf die interne Revision von VW, mehrere Ingenieure des niedersächsischen Autokonzerns hätten eingeräumt, im Jahr 2008 die Manipulationssoftware installiert zu haben, da der Spagat zwischen Abgasnormen und Kostenvorgaben anders nicht zu schaffen gewesen wäre. Unklar ist weiterhin, wer die Anweisung für die Installation gab. Der VW-Aufsichtsrat geht offenbar von einem weitaus größeren Kreis an Mitwissern aus als bisher angenommen und von einer „systematischen Täuschung“ von Kunden und Behörden, wie die FAZ am Sonntag berichtete. Danach würde es das Kontrollgremium gern sehen, wenn der neue VW-Chef Matthias Müller zügig in die USA reiste und dort Reue zeigte. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel VW am Wochenende zur raschen Aufklärung des Skandals drängte, zugleich aber betonte, das Vertrauen in die deutsche Wirtschaft sei noch nicht grundsätzlich erschüttert, fand EU-Parlamentschef Martin Schulz scharfe Worte für den Wolfsburger Autobauer: „Das war ein Anschlag auf den Standort Deutschland, auf viele tausend Kunden und Arbeitnehmer“, sagte er u.a. im Interview mit der „Braunschweiger Zeitung“. Ob Volkswagen, ob Deutschland verlorenes Vertrauen zurückgewinne, entscheide sich auch bei der Aufarbeitung des Skandals, mahnte Schulz. „Wir werden alles tun, um Ihr Vertrauen zurückzugewinnen“, lautete die Botschaft von ganzseitigen Anzeigen in diversen Tageszeitungen, die VW am Montag an Stelle einer Glückwunschnote zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung schalten ließ. Unterdessen warnen die ersten Kommunalexperten davor, dass der VW-Skandal nicht nur die Autostadt Wolfsburg, sondern auch alle anderen Gebietskörperschaften in Niedersachsen mittelbar treffen wird: Allein durch die bisherige Rückstellung des Konzerns von rund 6,5 Milliarden Euro werden dem Landeshaushalt voraussichtlich Körperschaftssteuern in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro entgehen. Dies hätte zur Folge, dass der Finanzausgleich zwischen Land und Kommunen deutlich sinken wird – schon jetzt werden 25 Euro weniger pro Einwohner für realistisch gehalten – und die Samtgemeinde- sowie Kreisumlagen zwangsläufig steigen.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #182.
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