(rb) Hannover. „Undifferenziert und zu Unrecht“ fühlen sich die Werkstätten für behinderte Menschen von der Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, Petra Wontorra, kritisiert. Diese hatte den Werkstätten vor einer Woche vorgehalten, ihren Vermittlungsauftrag von Behinderten in den Arbeitsmarkt nicht ernst zu nehmen, und hatte auf die äußerst geringe Quote der Vermittlung durch die Werkstätten hingewiesen. In einem offenen Brief an Wontorra, der auch von der niedersächsischen Lebenshilfe unterstützt wird, wehrt sich jetzt die Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (LAG WfbM) gegen die öffentlichen Angriffe auf ihre Einrichtungen. Darin verweist deren Vorsitzender, Prof. Burghardt Zirpins, darauf, dass die rund 80 Werkstätten in Niedersachsen die Aufgabe haben, den Menschen, die der allgemeine Arbeitsmarkt aufgrund ihrer Beeinträchtigungen nicht aufnimmt oder beschäftigen möchte, einen Zugang zur Arbeitswelt zu ermöglichen. Die geringe Quote der Vermittlungen erklärt er sich vor allem dadurch, dass die Zahl der Menschen die nicht, noch nicht oder nicht wieder im allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, in den letzten Jahren deutlich zugenommen habe. Die Arbeitsagentur und auch die Rentenversicherungsträger sprechen demnach für immer mehr Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf, mit psychischen Erkrankungen und ungewöhnlichen Verhaltensweisen die Empfehlung aus, Werkstattleistungen in Anspruch zu nehmen. Diese Aufgabe werde von den Werkstätten erfüllt, betont Zirpins. Die Aufgabe der Vermittlung allerdings sehe er im Kern bei der Agentur für Arbeit. Gleichwohl fänden viel mehr Menschen, als von Wontorra kritisiert, den Weg in den Arbeitsmarkt, heißt es in dem Brief weiter. So sei die Gesamtbelegung der Werkstätten von 2011 bis 2015 um 6,63 Prozent auf 33 329 Personen gestiegen. In dieser Zeit seien die Plätze zur beruflichen Bildung und zur Teilnahme am Arbeitsleben in Betrieben und Institutionen des 1. Arbeitsmarktes um 46,24 Prozent auf 4301 angewachsen. Der Anteil der Werkstattteilnehmer/innen, die auf diese Weise ihre Teilhabe an der beruflichen Bildung und am Arbeitsleben realisierten, habe sich von 9,4 Prozent (2011) auf 12,9 Prozent (2015) erhöht. Ob der Übergang ins Arbeitsleben gelinge, hänge im Übrigen immer noch von der Bereitschaft der Unternehmen ab, einem Menschen mit Beeinträchtigung überhaupt erst einmal eine Chance zu geben, meint Zirpins.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #119.