Der Begriff klingt seltsam, aber er sollte Anerkennung ausdrücken: Als Gerhard Schröder noch in der ersten Reihe der Politik stand, als Ministerpräsident und später als Kanzler, da war von den „FROGS“ die Rede. Nicht etwa der englische Begriff für „Frösche“ war gemeint, vielmehr verbirgt sich dahinter eine Abkürzung: „Friends of Gerhard Schröder“. Ein Freundeskreis also, in dem vorwiegend Männer mitwirken, alte Weggefährten. Man kann auch von Seilschaft reden, unschön ist der Begriff „Maschsee-Mafia“, der vor einigen Jahren verwendet wurde, als der Kreis der Teilnehmer um einige Unternehmer und den damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff von der CDU erweitert wurde. Aber diese Beschreibung eines immer größer gewordenen hannöverschen Zirkels von Entscheiderfiguren, immer wieder als „Hannover-Connection“ tituliert, lenkt schnell von dem Ursprung ab, von der zentralen Figur Gerhard Schröder und einer Gruppe von Leuten, die mit ihm und für ihn gearbeitet haben, von denen viele nach wie vor zu den Anhängern und glühenden Verehrern des Altkanzlers gehören.

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Mit dem Untersuchungsausschuss zu Vergabepraktiken in der rot-grünen Landesregierung, der ab August den Landtag beschäftigen wird, rücken einige „FROGS“ nun wieder ins mediale Interesse. Das geschieht zu einem Zeitpunkt, da auch von Gerhard Schröder wieder mehr zu sehen und zu hören ist. Im Mai sprach er als Hauptredner auf dem Empfang zum 70. Geburtstag der SPD-Landtagsfraktion, vor wenigen Tagen erst hielt er die große Eröffnungsrede auf dem SPD-Bundesparteitag. „Er ist wieder da“, hieß es anschließend, bei manchen Journalisten mit einer Geste von Anerkennung verknüpft. Dabei haben die leitenden Figuren in der niedersächsischen SPD, etwa der Vorsitzende und Ministerpräsident Stephan Weil, Innenminister Boris Pistorius und Wirtschaftsminister Olaf Lies, zu Schröder nie ein besonders enges Verhältnis gehabt, und das wirkt bis heute fort. Man würde diese drei nicht unbedingt als „FROGS“ bezeichnen.

Trotzdem wirken gute Kontakte in der Arbeit der Staatskanzlei fort, wie jüngst bekannt geworden ist. Ob der Medienberater Michael Kronacher, wohl unbestreitbar ein „FROG“, tatsächlich über eine Manipulation in der Regierungszentrale an seine Aufträge vom Land gekommen ist, überprüft der Untersuchungsausschuss. Bisher wird dieser Vorwurf vehement bestritten, auch wenn Verstöße gegen die sehr detaillierten Vergaberegeln inzwischen von Staatskanzleichef Jörg Mielke eingestanden wurden. Unabhängig von der Rechtsfrage ist aber interessant, wie gerade Kronacher in der Staatskanzlei ins Spiel gekommen ist. Der Blick fällt hier auf Regierungssprecherin Anke Pörksen, die aus dem Rheinland kommt und in Hamburg zuhause ist. Sie sagt, dass sie Kronacher gar nicht gekannt habe, als dieser erstmals 2013 einen Auftrag zur Moderation der Suche nach einem neuen Landesmotto erhielt. Das klingt durchaus glaubwürdig. Ihr Stellvertreter Michael Jürdens habe intern für den Medienberater geworben.

Daran ist zwar nichts Verwerfliches, denn natürlich gibt es gute Kontakte – und dass der der SPD nahestehende Kronacher hier empfohlen wurde, entspricht ähnlichen Fällen unter anderen politischen Konstellationen. Zu CDU-Zeiten genossen in den Behörden auch Unternehmer mit CDU-Nähe eine besondere Wertschätzung. Interessant ist der Fall Kronacher dennoch. Denn Jürdens war, neben Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye, schon zu Schröders Amtszeit als Ministerpräsident in der Pressestelle der Staatskanzlei tätig. Als Schröder 1998 Kanzler wurde, folgte ihm Jürdens, ging in das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Kronacher, der schon in den achtziger Jahren Wahlkampfkonzepte für Schröder schrieb, soll nach bisher unbestätigten Meldungen zwischen 1990 und 2000 rund 430 Aufträge von der Landesregierung in Niedersachsen erhalten haben. Seit 1999 dann, nach Beginn von Schröders Kanzlerschaft, erhielt Kronacher offenbar von allen mit Aufträgen bedachten Agenturen damals die höchsten Zahlungen. Mindestens 29 Millionen Euro sollen das gewesen sein. Der Bundesrechnungshof rügte 2002, dass das Bundespresseamt vor einer Auftragsvergabe die von einem Institut festgestellten Bedenken gegen einen Auftrag an Kronachers damalige Agentur „Odeon zwo“ verschwiegen habe.

Der Kreis um Schröder, zu dem auch Jürdens zählte, muss Kronachers Arbeit für so gut gehalten haben, dass Bedenken dagegen nicht hoch gewichtet wurden. Jürdens kehrte dann 2013 in die Staatskanzlei nach Hannover zurück – und warb hier für den Medienberater, von dessen Leistung er offenbar zutiefst überzeugt ist. Hier zeigt sich, wie beständig die Freundschaften aus der Schröder-Zeit sein können. Das gilt noch für einen anderen Fall, den des erfolgreichen Berliner Unternehmensberaters Heino Wiese, ein ganz klarer „FROG“. Geschäftsbeziehungen zwischen ihm und dem Land sind nicht bekannt, Kontakte aber gibt es offenbar nicht selten. Wenn Schröder zuweilen eine zu große Nähe zur Russland und zum dortigen Präsidenten Wladimir Putin vorgehalten wird, dann gilt das für Wiese, der viele Russland-Kontakte anbahnt, allemal. Früher war Wiese Geschäftsführer des SPD-Bezirks Hannover, an einer Position, in der er die Loyalität der Partei zu dem in der SPD damals nicht nur geschätzten Ministerpräsidenten steuern konnte. Vor anderthalb Jahren wurde Wiese in Anwesenheit von Stephan Weil zum russischen Honorarkonsul für Hannover ernannt. Wiederholt hatte die Opposition im Landtag über eine augenfällige Russland-Freundlichkeit in Weils öffentlichen Aussagen geklagt. Nun darf gemutmaßt werden: Hängt das vielleicht auch damit zusammen, dass Schröder und Wiese mit ihren Haltungen gegenüber Russland beim Ministerpräsidenten großen Eindruck hinterlassen haben? (kw)