"Landkarte der Unterversorgung"
Laut einer „Landkarte der Unterversorgung“ des Deutschen Hebammenverbandes fehlen in Niedersachsen allein 740 Hebammen für die Wochenbettbetreuung. Knapp 200 fehlende Hebammen werden für die Schwangerenvorsorge gemeldet. Die Karte ist allerdings nicht repräsentativ. Sie setzt sich aus Meldungen von Betroffenen zusammen, die keine Hebamme gefunden haben. Beim Hebammenverband in Niedersachsen ist von einer dramatischen Situation die Rede. Dort macht man auch darauf aufmerksam, dass landesweit rund 500 Hebammen in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen werden. Sie werden aber nach Ansicht der Landesregierung durch Nachwuchskräfte ersetzt werden können. Derzeit seien, auf drei Jahrgänge verteilt, 253 Hebammen und Entbindungspfleger in der Ausbildung. Die Zahl lege nahe, dass die Lücke von 500 Fachkräften innerhalb der kommenden sechs Jahre geschlossen werden könne.
Eine flächendeckende Gesundheitsversorgung für Schwangere ist der Landesregierung zufolge ohnehin sichergestellt. Landesweit gibt es derzeit in 71 Kliniken eine Geburtshilfe. Mit Ausnahme des Landkreises Diepholz gebe es in allen Kreisen und kreisfreien Städten mindestens eine Geburtshilfe-Abteilung. Eltern wählten in der Regel frühzeitig ihre Geburtsklinik aus, und dabei spielte nicht immer die Entfernung eine wesentliche Rolle, sondern es gehe vielmehr um die Faktoren Qualität und Kompetenz.
Reden ist schön. Handeln ist besser.
Imke Byl zum geplanten Runden Tisch
Der Hebammenverband beklagt allerdings, dass sich die Arbeitsbedingungen für Hebammen bundesweit insbesondere in Kliniken verschlechtert hätten. Personalengpässe seien hier an der Tagesordnung. „Fast die Hälfte der im Kreißsaal tätigen Hebammen betreut häufig drei Frauen parallel“, so der Hebammenverband. Grünen-Politikerin Byl bemängelt, dass Hebammen durch die aktuelle Situation zum Teil die Grenze zur Selbstausbeutung überschreiten und 60 bis 80 Stunden pro arbeiteten. Auch Teilzeitkräfte seien durch die Rufbereitschaft besonders belastet. Für Byl ist klar: Der Beruf mit extrem hoher Eigenverantwortung sollte nicht nur durch ein Studium, sondern auch durch eine bessere Bezahlung aufgewertet werden.

