Wissenschaftler kritisiert: „VW-Aufsichtsrat befand sich seit 2015 in einer Schlafkur“
Prof. Manuel R. Theisen, Hochschullehrer für Betriebswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, hat in einem Beitrag für die Zeitschrift „Betriebsberater“ scharfe Kritik an der mangelhaften Arbeit von Aufsichtsratsmitgliedern großer Unternehmen geübt – und dabei Volkswagen besonders hervorgehoben. Der in einem ironischen Stil verfasste Text hält zunächst den Aufsichtsratsmitgliedern von Autounternehmen allgemein vor, jahrelang von einer „subkutanen Euphorie“ erfasst gewesen zu sein. Sie hätten sich von den Vorständen einreden lassen, dass es eine „unverändert glänzende Zukunft mit Verbrennungsmotoren“ geben könne. Der Traum von hohen Renditen habe dann den Blick für Realitäten verstellt, insbesondere der VW-Aufsichtsrat habe seit 2015 „wohl eine kollektive Schlafkur absolviert“. Den beiden Aufsichtsratsvertretern des Landes, Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann, attestiert Theisen „bewusste Passivität“, diese sei jüngst „mit einem Jackpot der besonderen Art belohnt“ worden, nämlich mit dem Milliarden-Bußgeld, das die Staatsanwaltschaft Braunschweig verhängt hatte. Dies sei von den Aufsichtsratsmitgliedern „sofort akzeptiert, bezahlt und möglicherweise als Kollateralschaden des Traumergebnisses verbucht“ worden. In Theisens Aufsatz wird deutlich, wie kritisch und skeptisch er die Arbeit von Politikern in Aufsichtsräten von Unternehmen betrachtet – vor allem dann, wenn wie im Fall von VW die beiden Aufsichtsratsvertreter des Landes zugleich als Ministerpräsident und Minister Nutznießer der Bußgeldzahlungen sind, die das Unternehmen zu leisten hat.
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